Letztes Update am Mi, 31.07.2019 06:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess

32-Jährige soll Baby getötet haben: Mutter in Innsbruck eingewiesen

Einer Mutter wird vorgeworfen, ihr 14 Tage altes Baby im Krankenhaus Zams ertränkt zu haben. Die Frau wurde wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt, sie wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Landesgericht Innsbruck.

© TT/Thomas BöhmLandesgericht Innsbruck.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck — Ein von ihr verursachter Autounfall, bei dem der Bruder ums Leben kam, bedeutete wohl die Wende im Leben einer heute 32-Jährigen. Selbst lebensgefährlich verletzt, wollte sie nach Genesung „ihr zweites Leben" ganz im Sinne Jesu Christi führen und wandte sich einer freien Kirche zu. Ihrer Ehe entsprang vor vier Jahren erst eine Tochter. Damals hatte die Frau Hyperaktivität, Schlaflosigkeit, Kaufsucht und abstruse Ideen entwickelt. Das ging so weit, dass sich die Frau mit ihrem Mann freiwillig zum Psychiater begab. Dort wurde schnell paranoide Schizophrenie diagnostiziert — und mit geeigneter Medikamentation erfolgreich gegengesteuert.

Drei Jahre später dann erneut ein Kinderwunsch. Um das Kind im Mutterleib nicht zu gefährden, war nach psychiatrischer Beratung das Medikament aber wieder abgesetzt worden. Schon bald bemerkte der Ehemann altbekannte Symptome, bis im November der kleine Levi zur Welt kam. Wegen einer Gelbsucht wechselte der Säugling mit seiner Mutter ins Zammer Krankenhaus. Zwei Wochen später war der Bub tot. Nach außen hin von der Mutter beim Baden ertränkt. Doch unter Einfluss der — die Zurechnungsfähigkeit ausschließenden — Schizophrenie bot sich für die 32-Jährige ein anderes Bild: „Ich habe ihn von Gott bekommen und zurückgegeben. Er sollte das Evangelium verbreiten", hatte die 32-Jährige als Grund für die „Taufe" im Waschbecken genannt. Langsam und stetig hatte die Frau warmes Wasser eingelassen und das Kind in ein Tuch gehüllt. Den kurzen Todeskampf hatte die Frau als Reinigung von der Gelbsucht gedeutet: „Ich hatte gemeint, es sei im lauwarmen Wasser eine schöne Zeit für ihn — wie in der Gebärmutter." Unter Einfluss der Psychose hatte die Frau auch gedacht, dass das Kind unter Wasser atmen könne und fragte später die reanimierenden Ärzte, ob sie Levi denn jetzt stillen könne.

Gestern vor dem Schwurgericht plädierte Verteidigerin Christina Haslwanter für die einst Unzurechnungsfähige auf fahrlässige Tötung und engmaschige, ambulante Behandlung.

Gestützt auf das Gutachten von Psychiaterin Adelheid Kastner sah Anklägerin Karin Draschl Mord als Anlasstat und weiter akute Gefährlichkeit. Staatsanwältin Draschl: „Taten mit schweren Folgen, wie Verletzungs- oder Tötungsdelikte, sind weiter zu befürchten. Das kann die eigene Tochter oder auch das Nachbarskind betreffen. Die Betroffene bleibt brandgefährlich. Statt einer Taufe kann sie auch Ideen zu einer Feuertaufe entwickeln! Die Gesellschaft muss vor solchen Personen geschützt werden!"

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Die Betroffene selbst meinte, unter Psychose gehandelt zu haben: „Ich wollte mein Kind nicht bewusst töten."

Die Geschworenen beurteilten die Tat zwar als grob fahrlässige Tötung, verfügten aber einstimmig die beantragte Anstaltseinweisung (nicht rechtskräftig).