Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Tirol

Kameras sorgen in Tirol für Sicherheit am Bahngleis

In Frankfurt stieß ein 40-Jähriger am Montag eine Mutter und ihren Sohn vor einen einfahrenden Zug - das Kind starb. Auch in Tirol wurde durch die Tat eine Debatte um die Sicherheit am Bahnsteig ausgelöst.

Mehr Eigenverantwortung der Reisenden am Bahnsteig steigere die Sicherheit, sagt Roman Hahslinger von der ÖBB-Konzernsicherheit.

© Vanessa Rachle / TTMehr Eigenverantwortung der Reisenden am Bahnsteig steigere die Sicherheit, sagt Roman Hahslinger von der ÖBB-Konzernsicherheit.



Von Benedikt Mair

Innsbruck — Ein Achtjähriger ist tot. Ganz Deutschland steht unter Schock und trauert, nachdem ein 40-Jähriger am Montag eine Frau und ihren Sohn am Frankfurter Bahnhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen hat. Die Mutter überlebte, für den Bub kam jede Hilfe zu spät. Viele stellen sich die Frage: Hätte die Tragödie verhindert werden können? Auch in Österreich und Tirol hat sie eine Debatte um die Sicherheit am Bahnsteig ausgelöst.

„Irre Einzeltaten lassen sich nie und durch nichts hundertprozentig verhindern", kommentiert Roman Hahslinger, Leiter der Abteilung Konzernsicherheit bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). „Wir setzen sehr stark auf die Videoüberwachung. Bundesweit sind 7000 Kameras an den Bahnhöfen und rund um die Bahnhöfe installiert. Zum Vergleich: Die Deutsche Bahn hat ein weitaus größeres Streckennetz, aber weniger Kameras als die ÖBB."

Für Tirol heißt das: 25 von 95 Bahnhöfen und Haltestellen sind videoüberwacht. Am Hauptbahnhof in Innsbruck sind 115, am Bahnhof Kufstein 53 und an jenem von Landeck-Zams 35 Kameras installiert, sagt Christoph Gasser-Mair, ÖBB-Pressesprecher für Tirol. „Es wird laufend geprüft, wo so ein System Sinn macht. Ein Ausbau des Kamera-Netzes ist derzeit nicht geplant."

Neben der Videoüberwachung als zentrale Säule des Sicherheitskonzepts setzen die ÖBB auch auf Security-Mitarbeiter, die vor Ort die Lage im Auge behalten, berichtet Roman Hahslinger. „An größeren Bahnhöfen gibt es fix stationiertes Personal. In Innsbruck sind es drei. Kleinere Haltestellen werden regelmäßig von mobilen Gruppen besucht." Zudem sei in Österreich an fast jeder Haltestelle ein Notfalltelefon installiert.

Reicht das aber wirklich aus? „Nach solchen Vorfällen wie jenem jetzt in Deutschland gibt es auch bei uns immer wieder den Ruf nach so genannten Bahnsteigsperren", sagt Hahslinger. Das können beispielsweise Drehkreuze oder Torvorrichtungen aus Kunststoff sein. „Realistisch ist so etwas nicht. Allein die Kosten für solche Vorrichtungen sind astronomisch." Stattdessen ruft der ÖBB-Sicherheitschef zu mehr Eigenverantwortung auf: „Es ist ratsam, etwas weiter hinter der gelben Sicherheitslinie zu stehen und Kinder immer an die Hand zu nehmen."