Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


Gerichtssplitter

Polizisten beschimpft und beworfen: Haft für Tirolerin

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© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Im März hatte eine 39-Jährige aus der Umgebung von Innsbruck wieder einmal zu tief ins Glas geschaut. Dabei stieß sie in ihrer Wohnung Beschimpfungen aus, die Anlass für einen Polizeieinsatz gegeben hatten. Die darauf an die Beamten gerichteten Tiraden würden vielen Bürgern nicht einmal im Traum einfallen — so heftig waren die Wortkombinationen. Als eine Bezirksinspektorin darauf ein Betretungsverbot für die Wohnung ausgesprochen hatte, warf die 39-Jährige ein Internetmodem nach ihr. Im Gegensatz zu den damals im Einsatz stehenden Polizisten zog es die gestern am Landesgericht wegen Beleidigung und tätlichen Angriffs auf einen Beamten Angeklagte vor, nicht zum Prozess zu erscheinen. Dies nahm ihr Richterin Verena Offer nicht übel — wohl aber, dass sich die Frau schon früher Derartiges in alkoholisiertem Zustand geleistet hatte. So wirkte die Alkoholisierung auch nicht mehr mildernd. Das Ergebnis war dann allerdings ein halbes Jahr Gefängnis. Die Polizeistreifen werden die 39-Jährige aber wohl ohnehin nie mehr wiedersehen — sie ist in die Steiermark verzogen.

Alle Jahre wieder kommt es vor: Ein Staatsanwalt zieht noch im Prozess die Anklage zurück. Dem seltenen Akt lag gestern am Landesgericht eine fast unglaubliche Geschichte zugrunde. Angeklagt war ein bekannter Geschäftsmann, der Probleme mit einem Mieter bekommen hatte. Dieser hatte nämlich im Stiegenhaus nicht nur Nachbarn mit Duschgel aufs Glatteis geführt, sondern auch Mehl in deren Türspalte gestreut. Als der Mieter dann auch noch Badspiegel herausgerissen und die Wohnung angezündet hatte, war der Spaß vorbei und der Mieter wanderte u. a. wegen Brandstiftung in Untersuchungshaft. Da die Wohnung und deren Balkon aber voll mit Unrat war, protestierten bald schon die Nachbarn wegen Geruchs- und Ungezieferproblemen. Zusammen mit dem Hausmeister besichtigte der nun angeklagte Vermieter dann die Wohnung und sah nur einen Ausweg für die Hausgemeinschaft: die sofortige Räumung. Diese bescherte eine Anklage wegen schwerer Sachbeschädigung und Urkundenunterdrückung. Zeigte der Mieter doch an, dass Urkunden und Gegenstände für 26.140 Euro vernichtet worden wären. Der Prozess zeigte jedoch: Die Urkunden wurden ins Auto des Mieters gelegt und der entsorgte Rest war Unrat. „Sie haben in einer Müllhalde gewohnt!", so die Richterin. „Frechheit, Frau Rat!", so der Mieter als Zeuge. (fell)