Letztes Update am Sa, 10.08.2019 22:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

US-Milliardär Epstein tot in Zelle: Umstände werden untersucht

Dramatische Wendung im Fall Epstein: Der des sexuellen Missbrauchs von mehreren Minderjährigen beschuldigte US-Multimillionär nimmt sich in seiner Gefängniszelle das Leben. Das berichten verschiedene US-Medien.

Jeffrey Epstein wurde am Samstag tot in seiner Gefängniszelle in Manhatten gefunden.

© AFP (2)Jeffrey Epstein wurde am Samstag tot in seiner Gefängniszelle in Manhatten gefunden.



New York – Der wegen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagte US-Unternehmer Jeffrey Epstein hat sich in seiner Gefängniszelle in New York offenbar umgebracht. Er sei am Samstag gegen 6:30 Uhr von Mitarbeitern der Einrichtung gefunden und in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte das Gefängnis in Manhattan mit. Dort sei er schließlich für tot erklärt worden.

Eine Reihe von US-Medien, darunter die Nachrichtenagentur AP, berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, Epstein habe sich das Leben genommen. US-Justizminister William Barr ordnete eine Untersuchung der Todesumstände an, zudem ermittelt die Bundespolizei FBI.

Der Skandal um den in der amerikanischen Elite bestens vernetzten Unternehmer bot seit seiner Festnahme Anfang Juli reichlich Zündstoff: Die Staatsanwaltschaft in New York warf dem 66-Jährigen vor, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen heranzuschaffen. Die Ermittler berichteten, sie hätten bei Durchsuchungen in Epsteins Anwesen in Manhattan Hunderte Nacktbilder gefunden.

Vorwürfe stets zurückgewiesen

Epstein hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und auf nicht schuldig plädiert. Der Termin für den Prozessbeginn war vorläufig auf den 8. Juni 2020 festgelegt worden.

Der Ex-Investmentbanker war 2008 einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen nur deshalb entgangen, weil er damals einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen war. Er bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und saß eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab – teils unter gelockerten Bedingungen. Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Dieser Regelung hatte der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta, zugestimmt – nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein war er von seinem Amt als US-Arbeitsminister zurückgetreten.

Donald Trump und Jeffrey Epstein auf einer Videoaufnahme.
Donald Trump und Jeffrey Epstein auf einer Videoaufnahme.
- Screenshot/MSNBC

Der 1953 in New York geborene Epstein zeigte sich immer wieder gerne mit Stars und Politikern in der Öffentlichkeit, flanierte über rote Teppiche und posierte breit lächelnd für Fotografen. In US-Medien kursierten zahlreiche Namen von Prominenten und Politikern, zu denen er enge Beziehungen unterhalten haben soll.

Trump distanzierte sich von Epstein

Auch US-Präsident Donald Trump distanzierte sich von Epstein. Er habe vor langer Zeit ein Zerwürfnis mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm gewesen. In einem Interview mit dem New York Magazine beschrieb er Epstein dagegen im Jahr 2002 als „großartigen Mann“. Damals sagte der noch nicht politisch aktive Immobilienmogul: „Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte.“

Nach der Festnahme entschied ein Richter in Manhattan, dass Epstein bis zum Beginn seines Prozesses im Gefängnis bleiben muss, weil er eine „Gefahr für andere und die Gemeinschaft“ sei. Die Staatsanwalt hatte vorher von einer sehr hohen Fluchtgefahr gesprochen. Epstein besaß zahlreiche Anwesen weltweit und ein eigenes Flugzeug. Epsteins Verteidigung hatte dagegen gefordert, den Unternehmer für eine hohe Kaution im zweistelligen Millionenbereich in seinem Anwesen nahe des Central Parks in Manhattan unter Hausarrest zu stellen.

Justizminister Barr teilte am Samstag mit, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem „offenkundigen Suizid“ in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde. „Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen.“ Zusätzlich zu den FBI-Ermittlungen habe er – Barr – eine interne Untersuchung des Ministeriums in die Wege geleitet. Das Bundesgefängnis untersteht dem Justizministerium.

Schon einmal bewusstlos in Zelle gefunden

Die New York Times berichtete unter Berufung auf einen Gefängnisvertreter, Epstein sei in der Haftanstalt zwar in einer besonderen Einheit mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen untergebracht gewesen. Er sei aber nicht unter besonderer Beobachtung wegen möglicher Suizidgefahr gestanden. Epstein war der Zeitung zufolge bereits im vergangenen Monat mit Markierungen am Hals bewusstlos in seiner Zelle aufgefunden worden. Die New York Times berichtete, Gefängnisbehörden hätten schon damals wegen des Verdachts eines möglichen Selbstmordversuches ermittelt.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio versprach unterdessen den Missbrauchsopfern Gerechtigkeit. „Jeffrey Epstein mag seinem Tag vor Gericht entkommen sein, aber wenn die wohlhabenden Raubtiere, die an seinem Sexring beteiligt waren, glauben, dass sie gerade davongekommen sind, liegen sie falsch“, schrieb er auf Twitter. (APA/dpa)

Hier finden Sie Hilfe

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizidgedanken betroffen sind, finden Sie hier Hilfe:

Die Telefonseelsorge

ist unter 142 kostenfrei rund um die Uhr jeden Tag erreichbar. Die Beratung ist vertraulich. Mail- und Chatberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at class="WEB_Aufzahlung">

Rat auf Draht:

kostenloser Notruf für Kinder und Jugendliche, Tel. 147 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr, https://www.rataufdraht.at/ class="WEB_Aufzahlung">

Pro mente:

Psychiatrische Ambulanz

der Innsbrucker Klinik: Tel. +43 (0)50 504 23648

Notaufnahme des MZA

, Anichstraße 35, Innsbruck, Tel. +43 (0)50 427 057

Psychosozialer Dienst

in Hall in Tirol: www.psptirol.org, Tel. +43 (0)52 2354 9 11

Kriseninterventionsdienst

des Roten Kreuzes: Notruf 144