Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.08.2019


Gerichtssplitter

35 Monate Haft für polnischen Zylinderschloss-Spezialisten

Endstation mit sicheren Schlössern: 35 Monate Haft.

© Reinhard FellnerEndstation mit sicheren Schlössern: 35 Monate Haft.



Das Gedächtnis von Kriminalpolizisten und deren bundesweite Vernetzung sollte man nicht unterschätzen. So war ein Pole letztes Jahr des Einbruchsdiebstahls überführt und dafür im November am Landesgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nach und nach häuften sich im Bundesgebiet aber weitere ungeklärte Fälle von Einbrüchen in Geschäftslokale. Derselbe „Modus Operandi", den der 42-Jährige schon bei früheren Touren angewandt hatte, war ihnen gemeinsam. Heißt: Aufbohren und teilweises Herausziehen des Zylinderschlosses nach der so genannten „Ziehfix-Methode". Und so kam es gestern am Landesgericht zur zweiten Anklage wegen schweren gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls gegen den bereits in Strafhaft Befindlichen. 20 Einbruchsdiebstähle, davon acht im Versuch, sah Richterin Heide Maria Paul, zuletzt von St. Pölten über Graz und Klagenfurt bis nach Innsbruck, als erwiesen an. Handyortung und Geständnis halfen im Beweisverfahren. Zu zweieinhalb Jahren Haft kamen deshalb rechtskräftig noch fünf Monate hinzu: „Sie sind schon einschlägig vorbestraft und bei mehrfachen Einbrüchen im Monat ist bei Ihnen schon etwas zusammengekommen. Ihnen hätten ja bereits bis zu 7,5 Jahre Haft gedroht!"

Um die Existenz eines an sich gut situierten Tirolers ging es — wenn auch selbstverschuldet — gestern am Landesgericht. Der Mann war über seine IP-Adresse mit Chats über Kinderpornografie und 150 derartige Bilder aufgeflogen. Da der Mann durchaus einiges zu verlieren hat, gab es im Prozess nur ein Ziel: möglichst schnell und unerkannt aus der Sache herauszukommen. Das kostete: Zu fünf Monaten bedingter Haft kamen 8400 Euro Geldstrafe sowie 4582 Euro Gerichtsgebühren (EDV-Gutachten). Der Mann kam ohne Verteidiger und nahm das Urteil sofort an.

Eine Diversion über 1000 Euro erging gestern über einen hitzigen Iraner: Der hatte den Fahrschulprüfer seiner Frau mit dem Umbringen bedroht, nachdem diese zum wiederholten Mal bei ihm durchgefallen war. Im Prozess kam es gestern aber versöhnlich zum Handschlag mit Entschuldigung. (fell)