Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 15.08.2019


Tirol

Illegale Migration: „Schlupfloch“ Reschen ist dicht

Die Reschenroute ist rund um die Uhr im Visier von Polizei und Bundesheer. Die Kontrollen stehen in Zusammenhang mit illegaler Migration.

Die Ausleitung zum Kontrollplatz am Reschen (bei Nauders) wird mehrmals wöchentlich aktiviert.

© WenzelDie Ausleitung zum Kontrollplatz am Reschen (bei Nauders) wird mehrmals wöchentlich aktiviert.



Von Helmut Wenzel

Nauders – Die Trefferquote ist vergleichsweise gering: Seit Juni 2018 strandeten am Reschen kaum 100 Personen, die illegal nach Österreich einreisen bzw. weiter nach Deutschland wollten. Spitzenmonate waren der März mit 23 und der September mit 14 Aufgriffen. Diese Zahlen gab die Landespolizeidirektion (LPD) gestern auf TT-Anfrage bekannt.

Illegale Migration ist rückläufig, in Kufstein/Kiefersfelden lag die monatliche Quote heuer bei 220, am Brenner bei rund 300 Personen.

Der Nauderer Kontrollplatz unweit der Staatsgrenze Italien–Österreich wird mehrmals wöchentlich aktiviert, wie etwa vorigen Freitag. Dennoch ist eine Polizeistreife, assistiert von jeweils vier Bundesheersoldaten, an sieben Tagen und rund um die Uhr im Einsatz, auch im grenznahen Hinterland bis zur Kajetansbrücke bei Pfunds.

Bei den Herkunftsländern der Flüchtlinge habe man es mit Nigeria, Marokko, Albanien, Pakistan, Irak und Afghanistan zu tun, weiß eine Sprecherin der LPD. „Der Reschen gilt als Alternativroute zum Brenner. Die meisten versuchen, mit einem öffentlichen Verkehrsmittel illegal über die Grenze zu kommen, also per Bus.“

An der BH Landeck landet nur vereinzelt ein Strafverfahren auf dem Tisch von Abteilungsleiter BHStv. Siegmund Geiger. „Einige wenige stellen einen Asylantrag, der dann vom BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, Anm.) behandelt wird.“ Es komme aber auch zu Zurückweisungen bzw. Rückführungen an italienische Behörden.

Den „sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz“ am Reschen leistet Österreichs Bundesheer seit August 2017 – rund um die Uhr. Das „Zwischengelände“ bzw. die grüne Grenze überwache man ohne Polizei, wie Oberstleutnant Frank Nalter vom Militärkommando Tirol gestern mitteilte. Die Soldaten waren bisher bei 136 Personenaufgriffen beteiligt.

Schlepperbanden würden in der Reschenregion sehr selten agieren. An einen spektakulären Fall erinnert Enrico Gabl, stv. Bezirkspolizeikommandant in Landeck: „Im Oktober 2018 hat ein mutmaßlicher Schlepper bei Pfunds versucht, vor einer Kontrolle zu flüchten. Im Auto befanden sich acht Personen ohne Papiere, darunter vier türkische Kinder.“ Sie wurden in das Polizeianhaltezentrum Innsbruck überstellt.

Heuer am 27. März konnte die Polizei nach monatelangen Ermittlungen ebenfalls eine Schlepperaktion bei Pfunds stoppen. Die kriminell­e Gruppe war mit drei Pkw unterwegs, bevor die Handschellen klickten.

Bundesheersoldaten assistieren bei den Polizeikontrollen.
Bundesheersoldaten assistieren bei den Polizeikontrollen.
- Wenzel