Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Tirol

Chef mit Affäre erpresst: 53-Jährige am Landesgericht verurteilt

Eine Mitarbeiterin erpresste ihren Chef nach einem Liebesabenteuer. Jetzt wurde sie am Landesgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Von Reinhard Fellner

Innsbruck - In welche Situation man sich bringen kann, wenn man als Chef Grenzen zwischenmenschlicher Natur nicht zu ziehen vermag, musste der Geschäftsführer einer Agentur erfahren. Der in seinem Bezirk bekannte Tiroler hatte erst bei einer Dienstreise in Wien mit einer heute 53-Jährigen angebandelt und mit dieser darauf zwei abendliche Termine in Hotels gehabt — streng geschäftlich natürlich. Darauf folgten weitere Zuneigungsbekundungen per Bild und Video aufs Handy der Zeitarbeiterin.

Als das amouröse Strohfeuer wieder erloschen war, hatte sich jedoch die Frau — rein geschäftlich — an den Kurzzeitliebhaber gewandt. Insgesamt viermal war es demnach zu Geldforderungen zwischen 2000 und 3000 Euro gekommen. Zuletzt soll die 53-Jährige auch noch versucht haben, über die in ihrem Besitz befindlichen Aufnahmen eine Anstellung als Gebietsleiterin zu erzwingen. Da dem Erpressten mittlerweile zu Ohren gekommen war, dass die Frau offenbar schon im Bezirk einschlägige Gerüchte streuen würde, zog er mit einer Erpressungsanzeige bei der Polizei die Notbremse.

Gestern am Landesgericht stand im Prozess die Version der Angeklagten diesen Schilderungen direkt entgegen. Zwar habe ihr der einstige Vorgesetzte Aufnahmen sexueller Natur zugesandt, damit sei sie jedoch in der Agentur nicht alleine gewesen. Auch die übrigen finanziellen Leistungen seien rein beruflicher Natur gewesen, um Mobbing und ungewollte Versetzungen nicht ans Arbeitsgericht kommen zu lassen. Da es jedoch das einzige Ziel des Mannes gewesen war, die Affäre nur ja nicht öffentlich werden zu lassen, überzeugte die überaus eloquente Verantwortung der Frau den Strafrichter allerdings nicht: „Es geht dem Zeugen vorrangig um den Schutz der Stellung. Da erfindet er wegen solcher Beträge doch keine Erpressung."

Bei einem Strafrahmen von einem bis zu fünf Jahren ergingen so zur Hälfte bedingte 2400 Euro Geldstrafe: „Das ist milde. Sehen Sie es als Schuss vor den Bug." Verurteilte und Staatsanwältin beriefen sofort gegen Urteil und Strafhöhe. Auch die erpressten 9500 Euro muss die 53-Jährige natürlich wieder zurückzahlen.

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