Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.08.2019


Exklusiv

Tiroler Pensionist war Todesopfer: Prozess um Salmonellen

Über 30 Tage wird im Bayern-Ei-Prozess einer der größten Lebensmittelskandale Deutschlands aufgearbeitet. Ein Tiroler Pensionist war das einzige Todesopfer.

Bei Bayern-Ei vegetierten statt erlaubter 60 bis zu 133 Hühner in einem Käfig. Trotz Salmonellenseuche sollen Eier weiterverkauft worden sein.

© iStockphotoBei Bayern-Ei vegetierten statt erlaubter 60 bis zu 133 Hühner in einem Käfig. Trotz Salmonellenseuche sollen Eier weiterverkauft worden sein.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Regensburg – Die skrupellosen Machenschaften der Firma Bayern-Ei führten zu einem der größten Lebensmittelskandale Deutschlands der letzten Jahre. Europaweit war es im Sommer 2014 erst zu einem unerklärlichen Ausbruch von Salmonellenerkrankungen gekommen.

Hunderte Personen waren nach dem Genuss eihaltiger Speisen erkrankt. 95 davon in Österreich, 69 in Tirol. Bei einer einzigen Person sah es die Staatsanwaltschaft Regensburg letztlich nach umfangreichsten Ermittlungen als gesichert an, dass sie in direkter Folge des Verzehrs solcher kontaminierter Eier verstorben war. Laut der seit April vorliegenden Anklage gegen Bayern-Ei-Geschäftsführer Stefan P. handelt es sich um einen 94-jährigen Innsbrucker, der zur Ausbruchszeit von den Innsbrucker Sozialen Diensten (ISD) mit Essen auf Rädern beliefert worden war – die TT berichtete.

Obwohl damals bei von den ISD betreuten Personen plötzlich auffällig viele Magen-Darm-Erkrankungen festgestellt worden waren, war das Ableben des Inns­brucker Pensionisten im September erst relativ spät bekannt geworden. Laut Staatsanwaltschaft Regensburg hatte die Bayern-Ei-Firma – und nicht nur diese – alles getan, um den Ausbruch der „Salmonella enteritidis PT14b“ zu verheimlichen.

So wurde 2017 ein Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag beschlossen, um zu klären, ob die Bayern-Ei-Affäre im dortigen Umweltministerium „systematisch vertuscht worden war“. Die Anklage gegen den inhaftierten Geschäftsführer P. liest sich indes wie ein unappetitlicher Wirtschaftskrimi.

Gefährliche Körperverletzung in 187 Fällen, beim Tiroler mit Todesfolge, gewerbsmäßiger Betrug an den getäuschten Abnehmern (fünf Mio. Euro Schaden), Tierquälerei und Verstöße gegen das Lebensmittelrecht werden dem 46-Jährigen vorgeworfen. Dem Unternehmer drohen dafür 15 Jahre Haft.

Ein letztes von der Verteidigung beantragtes Gutachten zum Todesfall trennte die Anklage jedoch seit 2017 vom Mega-Prozess. So hatte die Verteidigung ein Privatgutachten vorgelegt, wonach der Tod des Tirolers gar nicht mit der Salmonellenvergiftung in Zusammenhang stehen würde. Ein vom Landgericht Regensburg eingeholtes infektiologisches Gutachten kam jedoch abschließend zum Schluss, dass das Ableben des an Salmonellose erkrankten Patienten durch Erreger aus Eierlieferungen der Firma Bayern-Ei verursacht worden war.

Nun startet am Regensburger Landgericht der Bayern-Ei-Großprozess. „Die Kammer hält unter Berücksichtigung der infektiologischen Expertise einen Ursachenzusammenhang für zumindest so wahrscheinlich, dass die Zuständigkeit des Schwurgerichts begründet ist. Diese Strafkammer ist für die Aburteilung von Verbrechen zuständig, bei denen durch ein Vorsatzdelikt der Tod eines Menschen hervorgerufen wird“, erläuterte ein Landgericht-Sprecher der Tiroler Tageszeitung. Nach einer Prozessorganisation seit Mai hat die 2. Strafkammer des Landgerichts in der Causa nun „30 Hauptverhandlungstage anberaumt“. Der Prozess gegen Geschäftsführer Stefan P. wird demnach am 30. September starten und sollte am 27. März 2020 mit einem Urteil enden. Für alle Eventualitäten hat die Strafkammer übrigens noch 13 weitere Reservetage vorgemerkt. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Zum Ausbruch der Salmonellenerkrankung war es laut Anklage übrigens gekommen, da in den Bayern-Ei-Ställen 133 anstatt der erlaubten 60 Hennen eingepfercht waren.