Letztes Update am Do, 22.08.2019 07:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Imst

Kokain-Ring im Oberland zerschlagen: 23 Festnahmen

Nach einem Jahr endeten die Ermittlungen gegen eine Oberländer Drogenorganisation mit 23 Festnahmen. Auch ein Unternehmer ist unter den Verdächtigen.

8. März: Mit der Festnahme von zwei Pkw-Insassen sorgte die Cobra in Götzens für Aufsehen.

© zeitungsfoto.at8. März: Mit der Festnahme von zwei Pkw-Insassen sorgte die Cobra in Götzens für Aufsehen.



Von Thomas Hörmann

Imst – Die Sicherstellung von ein paar Gramm Kokain im Burgenland war nur der Anfang. Am Ende standen 23 Festnahmen und die Zerschlagung eines Kokain-Rings im Tiroler Oberland. Sieben Verdächtige wanderten in Untersuchungshaft. Sie sollen zwischen Herbst 2017 und März 2019 insgesamt 5,8 Kilo Kokain im Wert von 580.000 Euro importiert und verkauft haben. Unter den Verdächtigen ist auch ein Geschäftsmann, der ein Technologieunternehmen im Großraum Imst geführt hat. Und ein amtsbekannter Oberländer, der schon einmal wegen umfangreicher Drogengeschäfte vor Gericht stand.

Doch der Reihe nach: Nach der Sicherstellung einer kleinen Kokainmenge im Sommer 2018 im Burgenland stellte sich heraus, dass das Suchtgift aus Tirol stammte. Der Auftakt für umfangreiche Ermittlungen des Landeskriminalamtes in Innsbruck. Und die führten im Frühjahr zum ersten Schlag gegen die Tiroler Organisation. Etwa in Götzens, wo Cobra-Beamte am 28. März um 7.40 Uhr mit einer spektakulären Aktion für Aufsehen sorgten. Mitten im Ort zwangen die schwerbewaffneten Polizisten der Spezialeinheit die beiden Insassen eines blauen Kombi mit einem Überholmanöver zum Anhalten (die TT berichtete). Dann wurden die Verdächtigen aus dem Wagen geholt, festgenommen und ins Landeskriminalamt gebracht.

Ebenfalls Ende März statteten Drogenfahnder dem Technologieunternehmen im Bezirk Imst einen Besuch ab. Die Razzia endete mit der Festnahme des Chefs. Insgesamt zogen die Drogenfahnder in den letzten März-Tagen fünf Männer (zwischen 28 und 54 Jahren) und drei Frauen (26 bis 62 Jahre) aus dem Verkehr. Allesamt „österreichische Staatsbürger“, heißt es im Polizeibericht.

Am 1. April der nächste Schlag: Die Ermittler konnten den Kurier der Oberländer „Kokain GmbH“ kurz nach seiner Einreise in Tirol bei Wörgl abfangen. Im Mercedes-Kombi des 36-jährigen Albaners entdeckten die Beamten die neue Lieferung, ein Kilo Kokain. „Wir gehen davon aus, dass das nicht die erste Schmuggelfahrt des Beschuldigten war“, sagt Katja Tersch, stv. Leiterin des Landeskriminalamtes. Nach bisherigen Erkenntnissen dürfte der Albaner die Drogen aus Nordeuropa importiert haben. Fix ist nix – der Albaner und die übrigen Verdächtigen „reden nicht viel“, so Tersch. Ebenfalls im April und dann im Mai gingen den Beamten zwei weitere Beschuldigte ins Netz. Den Einheimischen aus dem Oberland, 29 und 36 Jahre, wird vorgeworfen, das Kokain quasi als Großhändler über mehrere Monate an Kleindealer verkauft zu haben. Und auch die sind mittlerweile amtsbekannt: Die Nachforschungen führten zu neun Einheimischen, zwei Türken und einem Serben. Die zwölf Verdächtigen sollen das Kokain gekauft und in kleinen Mengen an die Konsumenten weitergegeben haben. Die Kleindealer wurden vorübergehend festgenommen, sind aber wieder auf freiem Fuß. Auch die Endabnehmer erhielten Besuch von der Polizei: 30 wurden ausgeforscht und auf freiem Fuß angezeigt.

Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes besteht der Kern der Organisation aus acht Personen, von denen sieben noch immer in Untersuchungshaft in der Innsbrucker Justizanstalt sitzen. Den Männern wird nicht nur die Einfuhr und Weitergabe einer großen Menge Suchtgiftes vorgeworfen, sondern auch die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.

Die drei Frauen spielten eher Nebenrollen: Sie sollen gedealt bzw. einen Teil des Kokains eingelagert haben. Vom gesamten Handelsvolumen (5,8 Kilo) ging ein Kilo ins Burgenland, der Rest wurde laut Polizei in Tirol in Umlauf gebracht.

Neben dem beim Albaner sichergestellten Kokain beschlagnahmten die Beamten auch dessen Mercedes-Kombi, mehrere Handys, Bargeld und 15 Kilo Silberbarren im Wert von etwa 7500 Euro. Warum die Verdächtigen ihren Erlös in Silber anlegten, „wissen wir nicht“, sagt Tersch.