Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.08.2019


Tirol

Wie beim Verband der Krippenfreunde 450.000 Euro verschwanden

Steuerberater des Krippenverbands erhielt seit 2014 keine Unterlagen mehr.

Gut gewirtschaftet, aber dennoch nahezu mittellos: Nach der Untreue-Affäre ist die Welt der Krippenfreunde nicht mehr heil.

© Julia HammerleGut gewirtschaftet, aber dennoch nahezu mittellos: Nach der Untreue-Affäre ist die Welt der Krippenfreunde nicht mehr heil.



Stams – Wie konnten beim Verband der Krippenfreunde Österreichs mit Sitz in Stams rund 450.000 Euro veruntreut werden? Eine Frage, die der Vorstandsvorsitzende Klaus Gspan derzeit nicht beantworten will: weil das Thema „noch Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen ist“.

Die interne Untersuchung zum Schwund des Verbandsvermögens ist hingegen bereits abgeschlossen – die TT berichtete. Der Bericht beinhaltet nicht nur die exakte Schadenssumme von 451.641,57 Euro, sondern auch eine mögliche Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Und diese Antwort führt ins Jahr 2013. Damals stellten die Krippenfreunde Österreichs eine neue Mitarbeiterin ein. Und die erhielt den Auftrag, die Buchhaltung einem Steuerberater zu übergeben. Was sie zunächst auch tat.

Drei Jahre später entschloss sich die Verbandsführung, eine bislang als Büro genutzte Wohnung in der Innsbrucker Sillgasse zu verkaufen. Weil die Kosten für die notwendige Sanierung als zu hoch angesehen wurden. Nach der erfolgreichen Veräußerung der Immobilie war das Rücklagenkonto der Krippenfreunde gut gefüllt.

Für die Tiroler Krippenfreunde das Signal, beim österreichischen Dachverband eine Ausschüttung der Reserven anzuregen, um die finanziell schwierige Situation mancher Ortsgruppen zu entlasten. Doch der Vorschlag „versandete zunächst“, erinnert sich ein Funktionär.

Als die Tiroler hartnäckig blieben, wurde das Thema im Vorjahr wieder aufgegriffen. Diesmal mit mehr Erfolg – die Funktionäre wandten sich an den Steuerberater. Und erlebten eine böse Überraschung: Der Finanzexperte gab an, seit 2013 keine Buchhaltungsunterlagen mehr erhalten zu haben. Ein Kassasturz war die Folge: Und der ergab, dass die Mitarbeiterin des Verbands der Krippenfreunde Österreichs die 450.000 Euro seit 2014 veruntreut haben soll. Knapp 380.000 Euro hat die Frau angeblich bereits zugegeben. Und warum ist das niemandem aufgefallen? „Das ist jetzt die große Frage“, sagt Gspan: „Es gab ja einen Geschäftsführer, Rechnungsprüfer usw.“

Für die Verdächtige gilt die Unschuldsvermutung. (tom)