Letztes Update am Di, 01.10.2019 11:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Angebliche Messerattacke in Wilten geklärt: Überfall war frei erfunden

Ende August hatte sich ein 36-jähriger Österreicher bei der Polizei gemeldet, weil er angeblich von zwei Unbekannten mit einem Messer überfallen worden war. Wie sich jetzt herausstellte, war alles gelogen: Sogar die Verletzungen hat sich der Mann laut Polizei selbst zugefügt.

Ein Polizeiauto am Tatort.

© Zeitungsfoto.atEin Polizeiauto am Tatort.



Innsbruck – Ein angeblicher Raubüberfall im Innsbrucker Stadtteil Wilten Ende August konnte jetzt von der Polizei geklärt werden: Wie sich herausstellte, hat der Überfall nie stattgefunden, das mutmaßliche Opfer hat ihn nicht nur frei erfunden, sondern sich auch entsprechende schwere Verletzungen selbst zugefügt.

Am 28. August wählte der 36-jährige Österreicher vom Kaiserschützenplatz aus den Notruf: Er gab an, dass er von zwei Unbekannten überfallen worden sei. Weil er nur wenig Bargeld dabei gehabt hätte, habe ihn einer der Täter mit einem Messer Stiche in Brust und Bauch zugefügt. Der 36-Jährige wurde mit schweren Verletzungen in die Klinik gebracht.

„Glück, dass er das überlebt hat“

Die Polizei leitete zunächst sofort eine Öffentlichkeitsfahndung ein. Allerdings gab es seitens der Ermittler schnell Zweifel an der Version der Geschichte. „Es gibt viele Fragezeichen“, erklärte LKA-Leiter Walter Pupp kurz nach der Tat.

Wie sich jetzt herausstellte, sollte er Recht behalten: Nach umfangreichen Ermittlungen konnten die Kriminalbeamten den 36-Jährigen der Lüge überführen. Er gestand schließlich, dass es zu keinem Überfall gekommen war und er sich die schweren Verletzungen selbst zugefügt hat. Anschließend begab er sich in die Innsbrucker Innenstadt, setzte sich am Kaiserschützenplatz auf eine Parkbank und alarmierte die Rettung. „Das Motiv für die Tat ist wohl in der privaten und beruflichen Sphäre des Mannes zu finden“, erklärte der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes, Christoph Hundertpfund. Der Mann habe Glück gehabt, dass er die selbst zugefügten Stiche überlebt habe.

Auf den 36-Jährigen wartet jetzt jedenfalls eine satte Strafe. Er wurde wegen des Verdachts des Vortäuschens einer mit Strafe bedrohten Handlung sowie der falschen Beweisaussage gegenüber der Kriminalpolizei bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck angezeigt. Laut Hundertpfund beträgt der Strafrahmen bei erstgenanntem Delikt bis zu sechs Monate Haft, bei letztgenanntem Delikt sogar bis zu drei Jahre Haft. (rena,TT.com)

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