Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Tirol

MÜG-Mitarbeiter wurden für „Stopptritt“ verurteilt

Eine Auseinandersetzung brachte drei MÜG-Mitarbeiter vor Gericht. Der Prozess zeigte auch die Ohnmacht der Wachmänner.

Symbolfoto.

© Thomas BöhmSymbolfoto.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Zwei Mitarbeiter der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG) kamen mit einer Diversion davon, der dritte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Folgen einer Auseinandersetzung mit einem Nordafrikaner, die bei der Verhandlung am Landesgericht auch die Ohnmacht des Innsbrucker Sicherheitsdiensts aufzeigte. „Die MÜG-Mitarbeiter sollen vieles tun, dürfen aber wenig“, räumte auch die Staatsanwältin ein.

Es war im vergangenen Oktober, als die drei Magistratsbediensteten (30, 34 und 40 Jahre) das Alkoholverbot am Hauptbahnhof überwachten. Dabei wurden sie Zeugen einer Auseinandersetzung zwischen zwei Nordafrikanern und einem Lokalmitarbeiter. Für die MÜG-Mitarbeiter das Signal zum Einschreiten. Die beiden Nordafrikaner wurden überwältigt, der zweite sogar in Handschellen gelegt und gegen eine Glasscheibe gedrückt. Obwohl sich der Marokkaner kaum noch bewegen konnte, rannte der 40-jährige Wachmann auf ihn zu und versetzte ihm einen Fußtritt in den Bauch. „Einen dosierten Stopptritt, damit er nach vorn fällt und überwältigt werden kann“, erläuterte der Hauptangeklagte: „So habe ich das beim Bundesheer gelernt.“ Die Verletzungsgefahr sei bei dieser Technik sehr gering. Dass der Nordafrikaner eigentlich schon überwältigt und kampfunfähig war, „habe ich falsch eingeschätzt“. Ein Fehler, räumte der Angeklagte ein: „Heute würde ich einfach die Polizei rufen.“ Letztendlich wertete das Gericht den Stopptritt als leichte Körperverletzung.

Aber auch die beiden MÜG-Kollegen mussten auf der Anklagebank Platz nehmen: wegen Freiheitsentziehung, weil sie den Nordafrikaner in Handschellen gelegt ­hatten. Eine Vorgangsweise, die „durch die damalige Dienstanweisung gedeckt war“, verteidigte Anwalt Markus Abwerzger seine Mandanten. Und die zeigten trotz Dienstanweisung Reue: „Ich bin schuldig und übernehme die Verantwortung“, ließen die MÜG-Mitarbeiter wortgleich die Richterin wissen.

Der 30-Jährige und 34-Jährige wurden nicht verurteilt, sondern kamen mit Diversionen davon und müssen für die Freiheitsentziehung 900 bzw. 1400 Euro zahlen.

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Der Stopptritt hatte schwerwiegendere Folgen: Der 40-jährige Wachmann wurde wegen leichter Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 960 Euro verurteilt (noch nicht rechtskräftig).