Letztes Update am Do, 05.09.2019 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

„Auf geht‘s, gemma Wiener jagen“: Prozess gegen Hooligans vertagt

Wegen gefährlicher Körperverletzung standen am Mittwoch 22 Fußballfans in Innsbruck vor Gericht. Sie hatten sich im vergangenen Oktober zu einer brutalen Schlägerei in der Maria-Theresien-Straße verabredet und die Fäuste fliegen lassen.

Die wüsten Prügel-Szenen in der Maria-Theresien-Straße, mit dem Handy gefilmt von unbeteiligten Zeugen.

© ScreenshotDie wüsten Prügel-Szenen in der Maria-Theresien-Straße, mit dem Handy gefilmt von unbeteiligten Zeugen.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Der eine ist Techniker, ein weiterer Student, wieder andere arbeiten als Büroangestellte. Es sind Familienväter, Junggesellen, einige von ihnen sind verschuldet – weil sie gerade die Wohnung neu eingerichtet oder ein Haus gekauft haben. Die 22 Männer, die gestern im großen Saal des Landesgerichts auf der Anklagebank Platz nehmen, einen zwei Dinge: die Leidenschaft für ihren Fußballverein und die Verstrickung in eine aufsehenerregende Schlägerei in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße im Herbst des vergangenen Jahres.

27. Oktober 2018, zirka 14 Uhr. Hunderte Menschen flanieren an diesem Samstag durch die Innenstadt. In drei Stunden findet im Tivoli die Fußball-Partie FC Wacker gegen die Wiener Austria statt. Während Fans aus der Bundeshauptstadt in einem Lokal in der Maria-Theresien-Straße zusammensitzen, ziehen Wacker-Anhänger vom Casino kommend über den Landhausplatz in ihre Richtung. Dann geht alles ganz schnell.

„Sie haben die Sturmmasken aufgezogen, sich mit Schals vermummt“, erzählt der Staatsanwalt gestern die Ereignisse nach. „Es flogen Stühle, Gläser und Aschenbecher. Sogar Blumenfässer warfen sie aufeinander.“ Etwa 50 Menschen seien an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen, bereits Tage zuvor soll sie geplant gewesen sein. Chat-Verläufe, die auf beschlagnahmten Mobiltelefonen gefunden wurden, würden dies bestätigen. „Auf geht’s, gemma Wiener jagen“, sei dort unter anderem geschrieben worden. „In der öffentlichen Wahrnehmung hat der Vorfall für viel Furcht und Unruhe gesorgt“, sagt der Ankläger. „Es war kein zufälliges Aufeinandertreffen. Sie wussten, dass sie sich schlagen und möglicherweise auch verletzen werden.“

Etwa die Hälfte der 22 Angeklagten, die zwischen 20 und 54 Jahre alt sind, stammt aus Tirol. Verantworten müssen sich die Männer, 13 von ihnen vorbestraft, wegen des Vergehens der so genannten „schweren gemeinschaftlichen Gewalt“ – vor einiger Zeit noch „Landfriedensbruch“ genannt. Ein Vorwurf, den die Verteidigung nicht hinnimmt. Einer der sechs anwesenden Anwälte führt aus: „Bei der Schlägerei gab es zu wenige Teilnehmer. Außerdem wurde niemand schwer verletzt.“ Seiner Meinung nach müsse die Zuständigkeit für den Prozess neu geprüft werden. Viele Beschuldigte verweigerten gestern die Aussage.

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Wenn sie sprachen, dann davon, dass sie nichts von den Plänen zur Schlägerei wussten, nur durch Zufall hineingeraten seien. Eine zugezogene Verletzung erklärt ein 27-Jähriger damit, dass „ich, wie andere auch, davonlief, sobald die Polizei kam. Als ich mit geballter Faust auf den Boden gefallen bin, hab’ ich mir die Hand gebrochen.“

Urteile wurden nicht gefällt. Weil wichtige Zeugen nicht zum Prozess erschienen, wurde die Verhandlung vertagt.