Letztes Update am Di, 17.09.2019 19:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Messerattacke in Innsbrucker Kanzlei: Täter (69) wird in Anstalt eingewiesen

Mit einem Messer ging im April ein 69-Jähriger auf zwei Sekretärinnen los, eine wurde schwer verletzt. Am Dienstag urteilte ein Schwurgericht in dem Fall. Der unter einer schizoaffektiven Störung leidende Mann wird in eine Anstalt eingewiesen.

Der 69-Jährige musste sich vor dem Schwurgericht verantworten.

© Thomas BöhmDer 69-Jährige musste sich vor dem Schwurgericht verantworten.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Am 1. April wurde der Albtraum jedes Kanzleimitarbeiters wahr. Ein Mandant betritt die Räumlichkeiten, zückt ein Messer und verletzt eine Mitarbeiterin schwer. Kein „normaler“ Fall, kein „normaler“ Täter. War doch eine Sachwalterschaft Hintergrund des Kanzleibesuchs und der Tat. Seit 15 Jahren leidet der heute 69-Jährige an einem „manisch-psychotischen Zustandsbild im Rahmen einer schizoaffektiven Störung“. Schon 2005 wurde über den Innsbrucker wegen Drohungen eine bedingte Anstaltseinweisung verhängt, 2013 wurde er endgültig entlassen. Das Problem: Laut Gerichtspsychiaterin Gabriele Wörgötter herrschte beim 69-Jährigen keine Krankheitseinsicht, auch eine weitergehende psychiatrische Betreuung erfolgte nicht.

Mit starrem Blick hatte sich der Innsbrucker dann einer Sekretärin genähert und ihr ansatzlos mit einem 25 Zentimeter langen Küchenmesser in Richtung Kopf gestochen. Getroffen hat der 69-Jährige Unterkiefer und Wange der jungen Frau. Stark blutend sackte sie zu Boden, die heraneilende Kollegin schrie dann das übrige Kanzleipersonal herbei. Erst die Überzahl an Menschen bewegte den Täter zur Flucht. Am Dienstag hatte ein Schwurgericht über die Anstaltseinweisung des 69-Jährigen zu befinden, da er laut Staatsanwältin Sonja Egger in unzurechnungsfähigem Zustand die Grunddelikte des Mordversuchs und der versuchten absichtlich schweren Körperverletzung verwirklicht hätte.

Der Innsbrucker reagierte ungehalten, bezichtigte Staatsanwältin und Gerichtspsychiaterin der Lüge und verlangte die Vertagung des Prozesses, um „besser zu recherchieren“. Auch dass er gegenüber der Psychiaterin geäußert hätte, dass er eigentlich noch mehr Personen hätte abstechen wollen, bestritt der Betroffene. Eher sah er sich als Opfer: „Ich war in Notwehr vor diesen Sachwaltern!“ Auch wollte der Mann nicht wissen, warum er einen Psychiater brauche.

Neben der psychischen Erkrankung mitsamt ihren Wahnvorstellungen gab Psychiaterin Wörgötter deshalb eine akute Gefährlichkeits-Prognose – mit der Notwendigkeit einer Anstaltseinweisung: „Durch das Wahnsystem trifft es bei ihm weiter Zufallsopfer!“ Die Geschworenen folgten darauf einstimmig dem dringenden Rat der Psychiaterin (nicht rechtskräftig).