Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.09.2019


Innsbruck

Antifeministin grüßte Göttin mit abendlicher Sprayattacke

Im Mai wurde eine Frau auf frischer Tat mit Spraydose in der Hand am Kreisverkehr erwischt. Sie wurde zu 960 Euro Geldstrafe und Schadenersatz an die Künstlerin verurteilt.

Umgedeutet: So präsentierte sich das Schild der Künstlerin Ursula Beiler gestern im Kreisverkehr.

© Reinhard FellnerUmgedeutet: So präsentierte sich das Schild der Künstlerin Ursula Beiler gestern im Kreisverkehr.



Innsbruck — Mit ihrer Tafel „Grüß Göttin" wollte die Oberländer Künstlerin Ursula Beiler Kunst in den öffentlichen Raum transferieren und zum Nachdenken anregen. Doch schon am ersten Standort an der Autobahn bei Kufstein fühlten sich etliche Bürger wohl eher provoziert — aus welchen Gründen auch immer. So wurde die 2009 aufgestellte Tafel in sechseinhalb Jahren rund 60-mal besprüht, am nunmehrigen Aufstellungsort beim Kreisverkehr des Autobahnzubringers Innsbruck-Mitte läuft es nicht wirklich besser.

„Grüß Göttin" steht da selten zu lesen, dafür aber alle möglichen Abwandlungen. Im Mai wurde dann eine Frau (!) auf frischer Tat mit Spraydose in der Hand am Kreisverkehr erwischt. „Wer macht so etwas?", fragte man sich da gestern am Landesgericht vor dem Prozess wegen Sachbeschädigung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Aktionisten dieser Art erzeugen automatisch gewisse Bilder im Kopf.

Umso überraschender der Auftritt der 44-jährigen Angeklagten. Eine eher extrovertierte und modisch angezogene Frau versuchte die Sprayattacke mit Unverständnis, Frust und Alkohol zu erklären: „An diesem Wochenende ist das Ibiza-Video aufgetaucht. Das war ein Frusterlebnis. Wir haben da schon untertags etliche Biere zu uns genommen. Mit dem Schild habe ich ja ansonsten kein Problem, für mich ist das aber ein übersteigerter Feminismus!" Der Einzeltat hielt Richter Andreas Mair entgegen, dass die Frau schon einmal ein Tischtuch über das Schild gehängt hatte. Aktionismus ähnlicher Art brachte der Angeklagten bereits eine Vorstrafe ein: Damals hatte sie die Maria-Theresien-Straße mit einem „Peace"-Zeichen bemalt.

Dass es ihr aber nicht nur ums Malen geht, bewies die 44-Jährige noch mit einem Nachsatz: „Außerdem sind wir in Tirol. Und da sagt man schon noch ,Grüß Gott!'"

Die Rechnung für die Tat fiel hoch aus. So wurde die Frau wegen Fluchtversuchs vom „Tatort" in aller Öffentlichkeit mit Handschellen abgeführt. Auch auf der Polizeiinspektion fand sich mit dem Beamten dann keine konstruktive Sprachebene, was noch ein längeres Verhör mit sich brachte. Gestern ergingen nicht rechtskräftig 960 Euro Geldstrafe noch dazu, 220 Euro Schadenersatz gehen an Künstlerin Beiler. (fell)