Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.09.2019


Justiz und Kriminalität

Für 20 Euro 5 Jahre Haft ausgefasst

Taxiraub mit Pistole endete mit Haftstrafe und Anstaltseinweisung. Ein Tankstellenraub von 2002 blieb trotz DNA aber letztlich im Dunkeln.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Würde es so verfilmt, bemängelte man wohl die Realitätsferne. Im Mai war ein 56-Jähriger in Wörgl aber tatsächlich mit einer Pistole ins Taxi gestiegen und hatte die Geldtasche gefordert. Grund: Geldnot. Der ebenso klamme Taxler fing aber an zu verhandeln: Erst 50, dann nur noch 20 Euro (ohne Polizei). Mit zwei „Zehnern“ stieg der 56-Jährige letztlich aus. „Sein Fehler war aber, dass er sich auf ein Bankerl dahinter setzte, um eine zu rauchen. Bis zum letzten Zug war die Polizei aber schon da!“, erzählte gestern am Landesgericht der Taxifahrer beim Prozess wegen schweren Raubes. Was vielleicht amüsant klingt, hat für das Opfer bis heute psychische Folgen, auch den Beruf musste der Mann wechseln. 500 Euro Teilschmerzensgeld wurden gestern dafür zugesprochen. Über den 56-Jährigen ergingen nicht rechtskräftig fünf Jahre Haft (15 Jahre drohten) und Anstaltseinweisung. Eine Gefährlichkeitsprognose der Gerichtspsychiaterin war ausschlaggebend: „Die Rückfallwahrscheinlichkeit liegt bei ihm bei 60 bis 70 Prozent!“

Über einen nicht rechtskräftigen Freispruch konnte sich gestern hingegen ein Serbe freuen. Der 50-Jährige war aufgrund eines DNA-Zufallstreffers wegen eines 17 Jahre zurückliegenden Raubüberfalls auf eine Tankstelle in Pettnau angeklagt. Verteidiger Vladan Novak machte aber gleich zu mehreren Punkten erfolgreich Zweifel geltend. So hatte der bis heute Unbescholtene einst äußerst gut verdient und war vermögend. Zudem war nicht zu beweisen, dass auf dem Tankstellenvideo eine echte Waffe zu sehen war – einfacher Raub mittels Waffenattrappe wäre jedoch bereits verjährt gewesen.

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