Letztes Update am Di, 01.10.2019 10:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Niederösterreich

16-Jährige getötet: Mordprozess gegen Syrer in Wiener Neustadt

Mit einem Stoffgürtel soll ein Syrer seine Ex-Freundin in einem Park in Wiener Neustadt erdrosselt haben. Im Anschluss soll er sich noch an der Leiche vergangen haben. Im Fall einer Verurteilung drohen dem 20-Jährigen bis zu 15 Jahre Haft.

Der Angeklagte 19-Jährige, der in einem Park eine 16-Jährige getötet haben soll, vor Prozessbeginn in Wiener Neustadt.

© APADer Angeklagte 19-Jährige, der in einem Park eine 16-Jährige getötet haben soll, vor Prozessbeginn in Wiener Neustadt.



Wiener Neustadt – Am Landesgericht in Wiener Neustadt hat am Dienstag der dreitägige Mordprozess gegen einen Syrer begonnen, der im Jänner seine Ex-Freundin getötet haben soll. Die 16-Jährige beendete die Beziehung, worauf der mittlerweile 20-Jährige dem Mädchen vor ihrem Wohnhaus aufgelauert und es im Anton-Wodica-Park mit einem Gürtel erdrosselt haben soll. Der junge Mann spricht von einem Unfall.

Dem 20-Jährigen wurde jedoch nicht nur der Mord an dem Mädchen vorgeworfen, er musste sich auch wegen Störung der Totenruhe verantworten, weil er sich an der Leiche der 16-Jährigen vergangen haben soll. Im Zuge der Trennung des Paares, das laut Staatsanwältin Antonella Baca von Eifersucht und obsessivem Verhalten vonseiten des Beschuldigten geprägt war, ließ der junge Mann der 16-Jährigen keine Ruhe und ging auch tätlich gegen das Mädchen vor.

Anklage auch wegen Körperverletzung

Im Zuge dessen soll der 20-Jährige auch auf den Stiefbruder und den Großcousin der 16-Jährigen mit einem Messer losgegangen sein und diese bedroht haben, weil sich diese in die Beziehung einmischten. Deshalb musste sich der Syrer auch wegen Körperverletzung, versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung, versuchter schwerer Nötigung sowie sexueller Belästigung verantworten. Es gab auch eine einstweilige Verfügung gegen den Beschuldigten, sich der 16-Jährigen nicht mehr zu nähern. „Da kehrte kurze Zeit Ruhe ein“, sagte die Staatsanwältin.

Der 20-Jährige bekannte sich vor dem Schwurgericht (Vorsitz: Kurt Weisgram) zum Tötungsdelikt nicht schuldig. „Ich habe Fehler gemacht, aber ich habe keinen Mord begangen“, sagte der Angeklagte. Seine Ex-Freundin sei durch einen Unfall ums Leben gekommen, meinte er. Die beiden hätten im Park Zärtlichkeiten ausgetauscht. Plötzlich sei ein heftiger Streit ausgebrochen, erzählte sein Anwalt Andreas Reichenbach. Dabei sei die 16-Jährige mit dem Hals auf die Banklehne geknallt. „Sie hat mir keine Antwort gegeben und hat komisch geschaut. Sie hat ausgeschaut wie tot, wie eine Leiche“, sagte der 20-Jährige. „Ich hab Panik und Angst bekommen“, schilderte der Angeklagte. „Es gibt nichts zu beschönigen, aber es gibt auch das Recht auf ein faires Verfahren“, gab sein Verteidiger zu bedenken.

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Syrer wollte Beziehungsaus nicht akzeptieren

Der Syrer, der seit fünf Jahren in Österreich ist, und das Mädchen lernten einander 2016 kennen. Eineinhalb Jahre waren sie ein Paar, ehe die 16-Jährige die Beziehung im Sommer 2018 beendete. Das wollte der junge Mann nicht akzeptieren und stellte dem Mädchen immer wieder nach, so auch in der Nacht auf den 13. Jänner. Die 16-Jährige traf sich mit Freunden, um in der Wiener Neustädter Innenstadt eine Lokaltour zu machen. Als der Syrer davon erfuhr, setzte er sich ins Taxi und reiste aus Wien an. Dort traf er gegen 3.00 Uhr auf seine Ex-Freundin, die sich in einer Bar angeregt mit einem Schulfreund unterhielt. Eifersüchtig auf den Nebenbuhler stellte er die 16-Jährige zur Rede, doch diese blockte den Ex erneut ab. Dazu soll im Zuge des Verfahrens auch ein Überwachungsvideo vorgespielt werden.

Laut Staatsanwältin soll die ablehnende Haltung der Jugendlichen ihr Todesurteil gewesen sein. Er beobachtete das Mädchen so lange, bis es gegen 6 Uhr Anstalten machte, nach Hause zu fahren. Der Syrer machte sich eilig auf den Weg zur Wohnung ihrer Mutter, um die Ex-Freundin abzupassen. Beim Anton-Wodica-Park drängte er die 16-Jährige in die Grünanlage, nahm laut Anklägerin einen Stoffgürtel und erdrosselte das Mädchen derart heftig, dass es erstickte und es zu einer Atem- und Hirnlähmung kam.

Er soll die Leiche ins Gebüsch geschleift und sich an dem Mädchen vergangen haben. Anschließend bedeckte der 20-Jährige den Körper mit Blättern und Ästen.

Freundin der Mutter entdeckte Leiche

Kurz vor 8 Uhr rief die Mutter den jungen Mann an, weil sie sich Sorgen um ihre Tochter machte. „Die Mutter hatte nur einen Gedanken, und das war der Angeklagte“, sagte die Staatsanwältin. Der 20-Jährige behauptete, in Wien zu sein und vom Verbleib der 16-Jährigen nichts zu wissen. Das wurde jedoch durch die Rufdatenauswertung widerlegt, da das Handy des Burschen zu dem Zeitpunkt in Wiener Neustadt eingeloggt war. Mit dem Handy des Opfers versuchte der Syrer noch eine falsche Spur zu legen, indem er ein Lebenszeichen über Facebook fingierte. Danach warf er beide Mobiltelefone weg.

Kurz vor 10 Uhr entdeckte eine Freundin der Mutter der 16-Jährigen die Leiche des Mädchens im Gebüsch, der Ex-Freund wurde noch am selben Tag festgenommen. Der Fall hatte bei der Bevölkerung für Proteste gesorgt. Der junge Mann war nämlich bereits aufgrund von Gewaltdelikten vor Gericht gestanden. Im Falle einer Verurteilung im Sinne der Anklage drohen dem jungen Erwachsenen (18 bis 21 Jahre) bis zu 15 Jahre Haft. (APA)


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