Letztes Update am Mi, 02.10.2019 16:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess

Zu Brandstiftungen teilgeständig: 31-Jährigem droht lebenslang

Nach Bränden im Oberland ist ein 31-Jähriger wegen Brandstiftung und versuchten Mordes angeklagt, er wurde über Handyortung ausgeforscht. Im Prozess droht die Höchststrafe. Der Mann ist teilgeständig.

In Mils war bei einem Bauernhaus im Ortszentrum ein Vollbrand ausgebrochen. Vier Bewohner konnten sich gerade noch retten.

© zeitungsfoto.atIn Mils war bei einem Bauernhaus im Ortszentrum ein Vollbrand ausgebrochen. Vier Bewohner konnten sich gerade noch retten.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – In der Nacht zum 17. November war im Kellergeschoß eines Zammer Berggasthauses ein Brand ausgebrochen. 120 Feuerwehrleute standen bei den Löscharbeiten im Einsatz. Genau eine Woche später brannte es dann erneut im Oberland. Gegen fünf Uhr morgens war diesmal in Mils bei Imst in einem unbewirtschafteten Bauernhaus im Ortskern ein Feuer ausgebrochen. Dieses hatte sich schnell auf das angrenzende Wohnhaus ausgebreitet.

Erst in den Morgenstunden konnten 140 Florianijünger den Vollbrand unter Kontrolle bringen. Die beiden Hausbesitzer und zwei Feriengäste konnten noch rechtzeitig Rauch und Flammen entkommen.

Die Brandermittlungen dauerten über Monate, bis die Polizei auf die Spur eines 31-Jährigen kam. Der Mann aus dem Bezirk Imst hatte sich verdächtig gemacht, da er mit seinem Handy bei den Brandstiftungen jeweils im Gebiet der jeweiligen Funkmasten registriert war. Im Jänner klickten die Handschellen. Seither befindet sich der 31-Jährige – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – in Untersuchungshaft. Für den des Zündelns Verdächtigen könnte es nun richtig dick kommen. So hat die Staatsanwaltschaft nun nicht nur Anklage wegen Brandstiftung, sondern auch wegen versuchten Mordes erhoben.

Staatsanwalt Hansjörg Mayr zur TT: „In Mils konnten sich vier Personen, die schliefen, gerade noch retten. Da für den Brandstifter erkennbar gewesen sein muss, dass das Haus bewohnt ist, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Täter auch den Tod darin befindlicher Personen in Kauf genommen hätte. Der Verdacht auf den Angeklagten gründet auf die Auswertung seines Mobiltelefons, das unter anderem die von ihm besuchten Orte aufgezeichnet hat.“

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Angeklagter gesteht Brandstiftung in Mils

Bis zum Schwurgerichtsprozess am Mittwoch hatte der Oberländer die Taten bestritten und angegeben, an, zu Hause geschlafen zu haben. Vor den Geschworenen bekannte sich der bereits wegen Brandstiftung vorbestrafte Oberländer schließlich teilgeständig. Laut Verteidiger Markus Abwerzger hatte sich der Oberländer zu den Vorwürfen bislang noch nicht korrekt geäußert, da ihm von der Exekutive letztes Jahr praktisch die gesamte Stadelbrandstiftungsserie vorgeworfen worden war. Diesbezüglich konnte dem 31-Jährigen jedoch nichts nachgewiesen werden. Der Angeklagte sagte zu den Geschworenen: „Ich hatte da eine innere Blockade und kann auch nicht angeben, warum ich Brandstiftungen begehe.“

Zuvor hatte sich der auch über sein Handy überführte Oberländer zur Brandstiftung an dem Stadel in Mils für schuldig bekannt. Keinesfalls habe er dabei jedoch für möglich gehalten, dass er dadurch Menschen gefährde, beteuerte der Angeklagte. Zum Vorwurf der Brandstiftung bei dem aufgelassenen Gasthof am Zammer Berg bekannte er sich jedoch nicht schuldig – auch wenn dies, salopp gesagt, das Kraut auch nicht mehr fett gemacht hätte. Der Angeklagte: „Auf dem Zammer Berg war ich schon eine Ewigkeit nicht mehr. Da war ich früher als Kind spazieren.“

Nach Zeugenbefragungen und Sachverständigengutachten zogen sich die Geschworenen am Nachmittag zu Beratungen zurück. Im Fall eines Schuldspruchs droht dem 31-Jährigen lebenslange Haft.