Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.10.2019


Prozess

Tiroler Todesopfer: Start im Salmonellenprozess gegen Bayern-Ei

Jahrelang wurde ermittelt, jetzt begann der Bayern-Ei-Prozess rund um ein Tiroler Todesopfer. Tierschützer forderten Konsequenzen.

Bei Bayern-Ei vegetierten statt erlaubter 60 bis zu 133 Hühner in einem Käfig.

© iStockphotoBei Bayern-Ei vegetierten statt erlaubter 60 bis zu 133 Hühner in einem Käfig.



Von Reinhard Fellner

Regensburg, Innsbruck – Die skrupellosen Machenschaften der Firma Bayern-Ei führten zu einem der größten Lebensmittelskandale Deutschlands der letzten Jahre. Europaweit war es im Sommer 2014 erst zu einem unerklärlichen Ausbruch von Salmonellenerkrankungen gekommen.

Hunderte Personen waren erkrankt, 95 davon in Österreich, 69 in Tirol. Bei einer einzigen Person sah es die Staatsanwaltschaft Regensburg letztlich nach umfangreichsten Ermittlungen als gesichert an, dass sie in direkter Folge des Verzehrs solcher kontaminierter Eier verstorben war. Laut Anklage gegen Bayern-Ei-Geschäftsführer Stefan P. handelt es sich um einen 94-jährigen Innsbrucker, der zur Ausbruchszeit von den Innsbrucker Sozialen Diensten (ISD) mit Essen auf Rädern beliefert worden war – die TT berichtete.

Rund fünf Jahre nach Bekanntwerden des Skandals begann nun diese Woche am Landgericht Regensburg der Prozess gegen den Bayern-Ei-Chef. Die Anklageschrift hat es in sich. Zweieinhalb Stunden trugen zwei Staatsanwälte zum Prozessauftakt vor: Gefährliche Körperverletzung in 187 Fällen, beim Tiroler mit Todesfolge, gewerbsmäßiger Betrug an den getäuschten Abnehmern (fünf Mio. Euro Schaden), Tierquälerei und Verstöße gegen das Lebensmittelrecht werden dem 48-Jährigen vorgeworfen. 15 Jahre Haft drohen – es gilt die Unschuldsvermutung. Laut Staatsanwaltschaft hatte die Bayern-Ei damals alles getan, um den ihr bewussten Ausbruch der „Salmonella enteritidis PT14b“ zu verheimlichen.

Der Angeklagte schwieg laut deutschen Medienberichten zu den Ausführungen der Ankläger. Verteidiger Ulrich Ziegert ging jedoch in die Offensive und wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. Schon deshalb ist ein langwieriges Verfahren zu erwarten. Laut Landgericht sollte es am 27. März 2020 mit Urteil enden. Für alle Eventualitäten hat die Strafkammer aber gleich noch 13 weitere Reservetage vorgemerkt, immerhin sollen ja an die 120 Zeugen gehört werden. Erste Zeugen wurden schon diese Woche gehört. Einstige Mitarbeiter und auch der ehemalige Tierarzt verweigerten dabei die Aussage.

Im November sollen Zeugen zum Todesfall des 94-jährigen Tirolers aussagen – ein Gutachten hatte den Zusammenhang zwischen dem Ableben und den Salmonelleneiern belegt.

Vor dem Gerichtsgebäude hatten noch vor Prozessbeginn Tierschützer protestiert. „Gefängnis für den Tierquäler“ stand da auf Schildern zu lesen, andere zeigten eingepferchte Legehennen. Einst und heute sehen die Tierschützer eine Mitschuld bei der bayerischen Staatsregierung.

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