Letztes Update am Mi, 02.10.2019 19:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Fünf Jahre Haft für Brandstifter: „Habe Ausmaß unterschätzt“

Schon einmal war ein Oberländer (31) wegen Brandstiftungen im Gefängnis. Am Mittwoch erging ein Freispruch vom Mordversuch an Hausbewohnern, erneut setzte es aber über fünf Jahre Haft.

Mit der Brandstiftung habe er niemanden gefährden wollen, sagte der Angeklagte.

© Foto TT/Rudy De MoorMit der Brandstiftung habe er niemanden gefährden wollen, sagte der Angeklagte.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Der Mensch und das Feuer – Sinnbild für Faszination und Bedrohung zugleich. So schürten letztes Jahr im Oberland etliche Stadelbrände Ängste in der Bevölkerung. Die Brandstiftungsserie blieb trotz intensivster Ermittlungen und Straßensperren bis heute ungeklärt. Im Zuge der Fahndung geriet jedoch ein 31-Jähriger ins Visier der Ermittler. Hatten sich die Beamten des Landeskriminalamtes (LKA) doch auch alle einschlägigen Vorstrafakten im Oberland vorgenommen – die Mühe hat sich gelohnt.

So sah sich das LKA einen gerade 2017 aus der Haft entlassenen (drei Jahre und drei Monate Haft für Brandstiftungen an 13 Stadeln) Oberländer nochmals näher an. Neben klassischer kriminalpolizeilicher Arbeit kam es auch zur Auswertung des Handys des Verdächtigen. Und dies erzählte den IT-Fachleuten des LKA recht viel über die Bewegungen des 31-Jährigen im Tatzeitraum. Das ging so weit, dass sogar Fahrtstrecken zwischen Wohnort und Tatort genau nachvollzogen werden konnten. Eine verräterische SMS-Nachricht an eine Freundin sollte zudem die Rückkehr in die Wohnung verraten haben – kurz nachdem Mitte November am Zammerberg der nicht mehr in Betrieb befindliche Gasthof „Kreuz“ um halb zwei Uhr morgens dank Brandbeschleuniger in Flammen aufgegangen war. Exakt eine Woche später kam es dann im Ortszentrum von Mils bei Imst zu einem weit schlimmeren Brandalarm. Ausgehend von einem Tennenbrand hatte das Feuer auf das angrenzende Wohnhaus übergegriffen. Die zwei Hausbewohner und deren Gäste konnten sich nur noch teils barfuß und notdürftig bekleidet aus dem schon rauchenden Bauernhaus retten. Zuvor war die Hausbesitzerin zufällig aufgewacht und hatte sich über den orangen Himmel hinter dem Haus gewundert.

Für die Brände muss der Anegklagte nun fünf Jahre in Haft.
Für die Brände muss der Anegklagte nun fünf Jahre in Haft.
- LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at

Nach dem Abschlussbericht des LKA sah Staatsanwältin Nina Härting deshalb nicht nur Brandstiftung in zwei Fällen, sondern auch versuchten Mord verwirklicht: „Wir werfen dem Angeklagten vor, dass er es für möglich hielt, dass die Hausbewohner bei dem Brand auch sterben könnten und er sich letztlich damit abgefunden hat“, begründete die Staatsanwältin am Mittwoch am Landesgericht die diesbezügliche Anklage. Der Oberländer machte darauf vor den Geschworenen einen Schwenk in seiner Verantwortung. Hatte er vorab immer behauptet, bei den Bränden jeweils schlafend im Bett gelegen zu haben, gestand er die Brandstiftung an der Tenne in Mils zu: „Ja, ich bin da morgens zu dem Stadel gefahren und habe dort ein Taschentuch angezündet. Ich wollte aber niemals, dass ein Mensch zu Schaden kommt. In meiner Wahrnehmung waren die weiteren Gebäude doch recht weit entfernt.“

Nicht weit genug. Auf die Richterfrage, warum ein Laie denn eine FeuerwehrApp benötige und warum der Angeklagte als „gebranntes Kind“ weitere Brandstiftungen begehe, antwortete der Oberländer: „Ich kann es einfach nicht erklären, ich kann’s nicht erklären. Ich bin da wieder in ein altes Muster hineingerutscht. Hätte ich aber gewusst, dass jemand in Gefahr ist, hätte ich niemals Feuer gelegt!“

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Verteidiger Markus Abwerzger erklärte das späte Geständnis des Mandanten mit einer inneren Blockade: „Er hatte Angst, da man ihn als Vorbestraften gleich wegen der ganzen Stadelbrandserie verdächtigt hatte. Zudem wollte er seine Familie, die ihn nach der Haft so unterstützt hatte, nicht wieder enttäuschen. Da hat viel Scham ein früheres Geständnis verhindert.“ Der Verteidiger verurteilte darauf zwar die neuerliche Brandstiftung durch seinen Mandanten, gleichwie die Situation der bis heute ohne Haus dastehenden Bewohner, wies aber darauf hin, dass sein Mandant eben immer nur Stadel angezündet hatte: „Nie wollte er Menschen gefährden, noch nie hatte er einen Brandbeschleuniger verwendet!“

Der 31-Jährige: „Es tut mir so leid. Ich habe mich da reinziehen lassen, ich habe das Ausmaß total unterschätzt!“

Die Geschworenen schätzten das Schuldausmaß dann folgendermaßen ein: Im Vorsatz des Brandstifters war für sieben der acht Geschworenen kein Mordversuch. Freispruch ebenso von Brandstiftung am Zammerberg. Für das Zündeln in Mils ergingen nicht rechtskräftig vier Jahre Haft, noch nicht verbüßte 13 Monate Haft von den letzten Brandstiftungen wurden ebenso widerrufen, macht also über fünf Jahre Gefängnis.