Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.10.2019


Tirol

Brände im Oberland: Eine Serie, mehrere Täter

Eine Brandstiftung in Inzing konnte einem Verdächtigen zugeordnet werden. Der Mann soll auch die Brände in einer Telfer Wohnsiedlung gelegt haben. Der Ermittlungserfolg wirft allerdings weitere Fragen auf.

Der Beschuldigte wird jetzt auch für den Brand eines Pferdestalls in Inzing am 21. August des Vorjahres verantwortlich gemacht.

© zeitungsfoto.atDer Beschuldigte wird jetzt auch für den Brand eines Pferdestalls in Inzing am 21. August des Vorjahres verantwortlich gemacht.



Von Thomas Hörmann

Inzing, Telfs – Die Brandserie im Oberland – lange Zeit ein Buch mit sieben Siegeln. Doch jetzt gelang es Ermittlern des Landeskriminalamtes, zumindest eine von zehn Brandstiftungen einem Verdächtigen zuzuordnen. Der Mann soll auch die Brände in einer Telfer Wohnsiedlung gelegt haben. Der Ermittlungserfolg wirft allerdings weitere Fragen auf. Jetzt deutet vieles darauf hin, dass die mysteriöse Serie das Werk mehrerer Täter war.

Rückblende: Es war im Sommer 2018, als zwischen Zirl und Telfs im Wochenrhythmus landwirtschaftliche Gebäude – vor allem Scheunen, aber auch Ställe – in Flammen aufgingen. Schon bald stand fest, dass das kein Zufall war. Obwohl die Polizei auf der Jagd nach dem Brandstifter Nacht für Nacht ein Großaufgebot einsetzte, blieb der Kriminalfall zunächst ungeklärt. Auch weil die Serie nach zehn Bränden Ende August plötzlich abriss. Seither herrscht wieder Ruhe im Oberland.

Ebenfalls 2018 sorgten im Telfer Doppel-Wohnblock Am Fuchsbühel 10 und 12 mehrere Brände für Aufsehen und intensive Ermittlungen. Zwischen Jänner 2018 und Jänner 2019 musste die Feuerwehr zu insgesamt fünf Löscheinsätzen im Keller, im Stiegenhaus und auch in einer Wohnung ausrücken. Drohbriefe, in denen weitere Brandstiftungen angekündigt wurden, sorgten im vergangenen Winter für zusätzliche Brisanz. Diese Briefe, die an mehrere Mieter verteilt worden waren, erwiesen sich dann als Schlüssel zum Ermittlungserfolg. Wie die Telfer Polizeibeamten herausfanden, hat eine von der Delogierung bedrohte Hausbewohnerin die Schreiben verfasst. Die mehrfache Mutter gab das auch zu, wollte aber mit den Brandstiftungen selbst nichts zu tun haben. Das sei ihr Bekannter gewesen, verriet sie den Ermittlern. Weiters erfuhren die Beamten, dass der 38-jährige Deutsche auch für den Brand eines Pferdestalls am 21. August 2018 in Inzing verantwortlich sein soll. „Die weitere Überprüfung ergab, dass sich der Beschuldigte tatsächlich zur Tatzeit am Tatort befand“, bestätigt Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Der Deutsche wurde bereits wegen der Brände in Telfs und Inzing angeklagt – für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Die übrigen neun Brände der Serie werden beim Prozess am 6. November hingegen kein Thema sein. „Diese Straftaten ordnen wir dem Beschuldigten nicht zu“, sagt Katja Tersch, stv. Leiterin des Landeskriminalamtes. Anders ausgedrückt: Die Ermittler gehen davon aus, dass die Serie nicht das Werk eines Einzeltäters war. Sondern, dass mehrere Brandstifter ihre Feuerzeuge im Spiel hatten. Um wen es sich dabei handelt, ist weiterhin unklar: „Einen weiteren Verdächtigen gibt es derzeit nicht“, erklärt Tersch.

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