Letztes Update am So, 06.10.2019 18:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fünffachmord

Fünffachmord in Kitzbühel: 25-Jähriger tötete aus Eifersucht

In einem Kitzbüheler Einfamilienhaus tötete ein junger Mann am Sonntag aus Eifersucht seine Ex-Freundin, ihre Mutter, ihren Vater, ihren Bruder und ihren neuen Freund. Im Anschluss stellte er sich der Polizei und legte ein umfassendes Geständnis ab.

In diesem Haus erschoss der 25-Jährige in der Nacht auf Sonntag fünf Menschen.

© zeitungsfoto.atIn diesem Haus erschoss der 25-Jährige in der Nacht auf Sonntag fünf Menschen.



Kitzbühel — „Ich habe fünf Menschen getötet." Mit diesen Worten erschien am Sonntag in den frühen Morgenstunden ein junger Mann in der Polizeiinspektion Kitzbühel. Gleichzeitig legte er eine Pistole und ein Messer auf den Tresen. Der 25-jährige Einheimische wurde sofort festgenommen, er legte daraufhin ein umfassendes Geständnis ab. In der Zwischenzeit eilte ein Großaufgebot von Einsatzkräften zum als Tatort angegebenen Einfamilienhaus im Bereich Vordergrub.

Dort bot sich den Polizei- und Rettungsmannschaften ein unfassbar schreckliches Bild. In dem Wohnhaus stießen sie auf fünf durch Schüsse getötete Menschen. Bei den Toten handelt es sich um die 19-jährige Ex-Freundin des Täters sowie ihre Mutter (51), ihren Vater (59), ihren Bruder (25) und ihren neuen Freund (24).

Streit in Lokal ging Tat voraus

Vor zwei Monaten hatte die 19-Jährige die Beziehung zu dem Mann beendet, gestern Nacht habe es ein Zusammentreffen in einem Lokal gegeben, so LKA-Chef Walter Pupp und Kitzbühels Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein bei einer Pressekonferenz Sonntagmittag. Es habe Streit gegeben, danach trennten sich die Wege der jungen Frau und ihrem Ex-Freund vorerst.

In den frühen Morgenstunden soll der 25-Jährige dann laut eigenen Angaben zu dem Wohnhaus gefahren sein. Der Vater habe die Tür geöffnet, seine Tochter kam hinzu und es kam zum Wortgefecht. Der Vater habe ihn dann aufgefordert, zu gehen. Der 25-Jährige fuhr daraufhin nach Hause, holte sich die Schusswaffe seines Bruders und kehrte gegen 5.30 Uhr zum Haus seiner Ex-Freundin zurück, um das schreckliche Blutbad anzurichten.

Laut Polizei tötete er zuerst den Vater, die Mutter und den Bruder der jungen Frau, die sich im Haupthaus aufhielten. Dann sei er über den Balkon in die Einliegerwohnung eingebrochen, indem er ein Fenster einschlug. Dort erschoss er die schlafende 19-Jährige und ihren 24-jährigen Freund. Bei ihm handelt es sich um einen Eishockey-Goalie aus Oberösterreich, der bei den Black Wings Linz unter Vertrag stand und zuletzt bei den Adlern Kitzbühel spielte.

Der Täter kennt sich laut Polizei im Haus sehr gut aus und wusste daher auch, wo sich die Personen in der Nacht aufhielten. Es gibt derzeit keinen Hinweis auf weitere Täter, der Mann handelte demzufolge allein. Das Motiv liege laut Polizei im Bereich „Beendigung einer Liebesbeziehung" — also Eifersucht. Der Mann war zum Tatzeitpunkt nicht alkoholisiert, seine Blutwerte würden nun auf diverse Substanzen untersucht. Der Bruder des Täters besaß die Waffe legal und diese sei auch registriert. Die Pistole war in einem Tresor eingeschlossen — wie der 25-Jährige diesen öffnen konnte, sei noch unklar. Der Bruder konnte noch nicht erreicht werden, es sei aber durchaus möglich, dass der 25-Jährige einfach wusste, wo der Schlüssel war, meinte LKA-Leiter Pupp.

Die Gegend um das Einfamilienhaus wurde abgesperrt.
Die Gegend um das Einfamilienhaus wurde abgesperrt.
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Bisher unbescholtener Einzeltäter

Der Einheimische war bislang unbescholten, nur vor vielen Jahren hatte er einmal wegen „kleinerer Delikte" Kontakt mit der Polizei. Er sei als „ruhige Person" bekannt gewesen. „So eine Eskalation war nicht annähernd absehbar", brachte es LKA-Chef Pupp auf den Punkt. Bei Neuigkeiten in dem Fall wolle man proaktiv an die Medien herantreten, so Pupp.

Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein schilderte, dass ein Nachbar eine Art Schuss gehört haben dürfte, einen Notruf gab es aber nicht. Bei den Waffen, die der Mann mit sich führte, handle es sich um die genannte Pistole und ein Messer. Letzteres dürfte bei der Tat keine Rolle gespielt haben, sagte Pupp. Die erste Einvernahme des 25-Jährigen konnte am Nachmittag abgeschlossen werden. Er legte laut Pupp ein umfassendes Geständnis ab. Als Tatwaffe habe eindeutig die Pistole identifiziert werden können.

Zeichen der Trauer: Vom Kitzbüheler Rathaus weht eine schwarze Fahne.
Zeichen der Trauer: Vom Kitzbüheler Rathaus weht eine schwarze Fahne.
- Hrdina

Die Leichen sollen am Montag obduziert werden. Der junge Mann wurde noch am Nachmittag nach Innsbruck überstellt. "Wir gehen davon aus, dass über ihn die Untersuchungshaft verhängt wird", so Pupp. Diese ist bei Mordverdacht obligatorisch.

LKA-Chef Walter Pupp und Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein informierten über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Der Pressekonferenz wohnten auch Vertreter des Roten Kreuzes und der Kitzbüheler Bürgermeister bei.
LKA-Chef Walter Pupp und Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein informierten über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Der Pressekonferenz wohnten auch Vertreter des Roten Kreuzes und der Kitzbüheler Bürgermeister bei.
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Großangelegte Krisenintervention

Bei der Rettungsleitstelle ging um 6.15 Uhr der Alarm ein, schilderte der stv. Bezirksrettungskommandant Gerhard Müller. Sofort rückten mehrere Rettungswägen und —Teams zum Tatort aus, jedoch konnten sie nur noch den Tod der fünf Menschen feststellen.

Das Hauptaugenmerk liege nun auf der Krisenintervention. Verwandte und Freunde der Toten stünden unter Schock und bedürften intensiver Betreuung. Unterstützung dafür bekommt das Kriseninterventionsteam aus Kufstein und dem Pinzgau. Bekannte, Vereine und auch eigene Einsatzkräfte müssten nun betreut werden — laut Müller „je nach bedarf der einzelnen Personen".

„Wir haben es normal mit einem Todesfall zu tun, hier mit fünf. Das heißt auch, dass der zu betreuende Kreis nicht nur fünf Mal so groß ist, denn das potenziert sich", führte Joachim Jochum, stv. Bezirksstellenleiter vom Roten Kreuz aus. Jeder der betroffen sei, könne sich direkt ans Rote Kreuz wenden.

In diesem Einfamilienhaus spielte sich die schreckliche Tat ab.
In diesem Einfamilienhaus spielte sich die schreckliche Tat ab.
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BM Winkler: „Wir sind alle tief schockiert"

Im Ort selbst herrschte tiefe Betroffenheit. Als Zeichen der Trauer wurde die schwarze Fahne am Rathaus aufgezogen. Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler sprach den Angehörigen und Freunden der Toten seine Anteilnahme aus. „So ein Ereignis, so eine derartige Gräueltat hat es in der Form noch nie gegeben. Es ist eine Tragödie, wir sind alle tief schockiert." In der Stadt müsse sich niemand in Angst walten, sagte Winkler, es sei eine „unfassbare Familientragödie", die ihren Kreis ziehe. Winkler sprach von einer „völlig irrationalen Handlung".

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) meldete sich via Facebook zu Wort. "Eine schreckliche Tragödie hat sich heute Nacht in Kitzbühel ereignet. Es sind Nachrichten, die einen sprach-und fassungslos zurücklassen. In diesen schweren Stunden sind meine Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der Opfer", postete der Landeshauptmann. (TT.com, siha, tst, jazz)

Die Spurensicherung am Tatort.
Die Spurensicherung am Tatort.
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