Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.10.2019


Tirol

Prozess: 13 Millionen Verlust mit Tunnelbau im Oberen Gericht

Bohrerdefekte beim Kraftwerksbau im Oberen Gericht führten zu einer Klage um sehr viel Geld am Landes­gericht: Es geht um 12 Mio Euro.

Landesgericht Innsbruck.

© TT/Thomas BöhmLandesgericht Innsbruck.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Pfunds, Tösens – Gestern saßen sich am Innsbrucker Landesgericht internationale Giganten der Baubranche gegenüber: Der deutsche Hochtief-Baukonzern klagte den US-Tunnelbohrer-Hersteller Robbins auf nicht weniger als 12 Millionen Euro. Ein Zivilverfahren, das nicht nur dem Richtersenat unter Elisabeth Walch einiges abverlangt. Geht es doch um die Baustelle des Oberländer Gemeinschaftskraftwerks Inn (GKI) und somit fast ausschließlich um hochkomplexe bautechnische Fragen.

Was war passiert? Wie berichtet, hatte die klagende Baufirma für die GKI ab 2014 das Baulos Maria Stein mit einer Nettoauftragssumme von 132 Mio. Euro übernommen. 21 Kilometer Tunnelstrecke sollten nach eigenen Angaben bis 2018 bewältigt werden. Doch es kam ganz anders. Schon früh fand sich das Projekt wegen etlicher Schwierigkeiten und letztlich jahrelanger Verzögerung im öffentlichen Fokus. Kein Wunder: Gehört das GKI doch zu 86 Prozent der Tiwag.

Im April 2017 trennten sich Hochtief und die GKI: „Wir sind da von der Baustelle weg. Allen Partnern mussten wir kündigen, außer Robbins, deren Bohrer die GKI übernehmen wollte. Für uns blieben da 13 Millionen Minus“, so der Hochtief-Tunnelbauverantwortliche gestern als Zeuge.

Schuld an der Misere sei laut Klage der Bohrer gewesen. So hätte die Maschine nicht einmal vollständig auf deren Funktion getestet werden können und sei später aufgrund defekter Zylinder und Pressen bald ausgefallen. Allein die Lieferzeit für die Bestandteile habe dann 20 Wochen betragen. Stillstand am Kraftwerksprojekt, Kosten, Pönalen – auch weil sich US-Mitarbeiter der Bohrfirma von Robbins Deutschland nichts hätten sagen lassen wollen.

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Die Vertreter der Bohrfirma warfen der Baufirma gestern wiederum Wartungsfehler und Reinigungsversäumnisse vor. Schon während des Betriebs und nach Fehleranalyse des Bohrers sei die Baufirma darauf schriftlich hingewiesen worden.

Vieles liegt nun noch beim Gerichtssachverständigen.

Ein von Richterin Walch angeregter Vergleich scheiterte gestern. Die Vorstellungen lagen von ein bis fünf Millionen Euro wohl zu weit auseinander. Am Samstag soll es übrigens beim südlichen Baulos zum Durchstoß kommen.