Letztes Update am Mi, 16.10.2019 15:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Nach Anschlag in Halle: Attentäter wollte 2018 als Soldat zum Militär

Den Angaben zufolge zog der mutmaüßliche Täter seine Bewerbung für das Militär allerdings später wieder zurück. Außerdem steht ein Mann aus Mönchengladbach laut Medienberichten im Verdacht, das sogenannte „Manifest“ des mutmaßlichen Halle-Attentäters Stephan B. im Internet verbreitet zu haben.

Trauernde versammeln sich um ein Denkmal aus Blumen und Kerzen.

© HENDRIK SCHMIDTTrauernde versammeln sich um ein Denkmal aus Blumen und Kerzen.



Mönchengladbach – Der Attentäter von Halle hat sich im September 2018 als Zeitsoldat bei der deutschen Bundeswehr beworben. Das verlautete am Mittwoch nach einer nicht-öffentlichen Sitzung des Innenausschusses des Bundestages in Berlin, an der Generalbundesanwalt Peter Frank und ein Vertreter des Bundeskriminalamtes teilnahmen.

Den Angaben zufolge zog der Mann seine Bewerbung für das Militär allerdings später wieder zurück. Weshalb er sich dann anders entschied, ist noch nicht bekannt. Er hatte ab Ende 2010 einige Monate Wehrdienst geleistet. Ein Chemie-Studium brach er ab.

Der heute 27-Jährige habe sich auf eine Mannschaftslaufbahn beworben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus der Bundeswehr. Im Jahr 2019 habe er einen Tag vor dem Auswahlverfahren dann eine Email geschrieben und erklärt, er verzichte auf die Bewerbung. Die Gründe seien unklar geblieben. „Wir wissen es nicht“, hieß es dazu aus der Bundeswehr.

Wohnung von möglichem Mitwisser durchsucht

Ein Mann aus dem nordrhein-westfälischen Mönchengladbach steht laut Medienberichten im Verdacht, das sogenannte Manifest des mutmaßlichen Halle-Attentäters im Internet verbreitet zu haben. Polizisten suchten den Verdächtigen am Wochenende in seiner Mönchengladbacher Wohnung auf, wie am heutigen Mittwoch veröffentlichte Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung ergaben. Am Morgen wurde demnach die Wohnung des Mannes mit richterlichem Beschluss durchsucht.

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„Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen kann ich mich zum Sachverhalt derzeit nicht äußern“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, Jan Steils, den Berichten zufolge. Gegen den Mann wird laut den Medienrecherchen offenbar wegen Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.

Computer bereitwillig ausgehändigt

Die mit der Aufklärung des Anschlags in Halle betrauten Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) konnten den Verdächtigen aus Mönchengladbach demnach durch einen Hinweis aus dem Ausland identifizieren. US-Behörden sollen zuvor die IP-Adressen des von dem Mann genutzten Computers übermittelt haben. Der Mönchengladbacher steht laut den Berichten im Verdacht, das rund 15-seitige PDF-Dokument, das der Verdächtige erstellt haben soll, sehr zeitnah zur Tat im Internet veröffentlicht zu haben.

Der Mann soll der Polizei bereits am Wochenende bereitwillig seinen Computer ausgehändigt haben. Er soll zudem erklärt haben, den Attentäter nicht zu kennen. Politisch sei er selbst eher „links“. Weder Polizei noch Verfassungsschutz sei der Mann aus Mönchengladbach als Extremist bekannt. Die BKA-Ermittler gehen den Berichten zufolge dem Verdacht nach, dass der Mönchengladbacher mit dem Attentäter von Halle an der Saale in Verbindung gestanden haben und über die geplante Tat informiert gewesen sein soll.

Attentäter soll schon 2015 Waffe besorgt haben

Der Verdächtige soll sich bereits 2015 im „Darknet“ eine Schusswaffe besorgt haben. Das berichteten mehrere Teilnehmer einer nicht-öffentlichen Sitzung des Innenausschusses des Bundestages unter Berufung auf Generalbundesanwalt Peter Frank. Im versteckten Teil des Internets soll der Täter auch Bauteile für die Waffen, die er selbst gebaut hat, bestellt haben.

Der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Er soll am Mittwoch vergangener Woche vergeblich versucht haben, in die Synagoge von Halle einzudringen, um aus antisemitischen und rechtsextremistischen Motiven die dort versammelten Gläubigen zu töten. Nachdem ihm das Eindringen misslang, soll er eine 40-jährige Frau und einen 20 Jahre alten Mann erschossen haben. (AFP)