Letztes Update am Fr, 18.10.2019 12:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Undercover-Bericht

Grausame Tierversuche in Hamburger Labor: Kritik an Behörden

Seit Jahren kämpfen Tierschützer gegen das berüchtigte Labor LPT bei Hamburg. Jetzt gelang es der SOKO Tierschutz einen verdeckten Mitarbeiter einzuschleusen. Dieser berichtet von Gift-Tests und Misshandlungen sowie Vorwürfen zur Manipulation von Testergebnissen.

Ein Affe wird für Versuche fixiert.

© SOKO TierschutzEin Affe wird für Versuche fixiert.



Hamburg – Ein Aktivist der SOKO Tierschutz hat sich über Monate bei der Firma LPT, „Laboratory of Pharmacology and Toxicology“, verdeckt eingeschleust und dabei Fotos und Videos von den Methoden und Umständen des verrufenen Labors gemacht. Nun haben die Tierschützer diese Aufnahmen veröffentlicht und berichten von furchtbaren Verhältnissen.

Giftigkeitsversuche an Tieren

Im Labor in Mienenbüttel, nahe Hamburg, werden Giftigkeitsversuche an Tieren wie Hunden, Katzen, Affen und Kaninchen für internationale Auftraggeber gemacht. Dabei wird getestet wie die Tiere auf Chemikalien reagieren. Dies geschieht rein hinter den Kulissen. Nicht einmal dem Bürgermeister wurde der Zutritt erlaubt.

Die veröffentlichten Bilder sind sehr verstörend. Hunde liegen in den Zwingern im eigenen Blut und gequälte Affen klemmen in Halterungen. Der Undercover-Aktivist schildert Vice.com von den Umtänden: „Wie im Gefängnis, ein Lager für Tiere. Die Tiere sind in betonierten Räumen eingesperrt ohne Ablenkung und völlig auf sich allein gestellt mit den Grausamkeiten, die da passieren.“

Auch vom Sadismus mancher Laborarbeiter berichtete der Mann. „Der Laborarbeiter musste einen Affen aus dem Käfig holen, damit man dem Tier einen Schlauch in den Magen stecken kann. Dabei hat er den Affen absichtlich mit dem Kopf gehen die Türkante geschlagen – sowas kann nicht zufällig passieren“, so SOKO Tierschutz-Gründer Friedrich Mülln (39) gegenüber der Bild-Zeitung.

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Behörden und Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Mittlerweile beschäftigen sich die Behörden mit dem Fall. Untersuchungen von Veterinären soll es am Dienstag bereits gegeben haben. Die Vorwürfe der SOKO Tierschutz zu den zu kleinen Käfigen wurden bestätigt, Misshandlungsvorwürfe noch geprüft. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Niederachsen (LAVES) und die SOKO Tierschutz haben Strafanzeigen gegen das Labor gestellt.

Grausame Bilder aus dem Versuchslabor.
Grausame Bilder aus dem Versuchslabor.
- SOKO Tierschutz

Kritik der SOKO am Vorgehen der Behörden

Für die SOKO Tierschutz sind die Bemühungen der Behörden zu wenig. „Es ist schon sonderbar, dass die Veterinärbehörde jetzt zu kleine Käfige erkennt, die dort wohl schon seit Jahren hängen“, so die Tierschützer auf Facebook. „Besonders empörend finden wir, dass das völlige Fehlen von rechtlich vorgeschriebenem Beschäftigungsmaterial bei den Affen damit entschuldigt wird, dass die Tiere ja schließlich die Vorhängeschlösser der Käfige zum Spielen hätten. Das lässt an den Kompetenzen und Einstellungen der verantwortlichen Kontrolleure zweifeln.“

Vorwürfe von Manipulation

Die Tierschützer bringen auch weitere Vorwürfe gegenüber dem Tierlabor. Tests von Giftigkeitsversuchen sollen manipuliert worden sein. Im konkreten Beispiel starb ein Affe einen grausamen Tod durch Chemikalien und wurde heimlich durch einen zweiten Affen ausgetauscht, was eine Verfälschung der Testergebnisse bedeuten würde. „Das bedeutet dann nicht nur Qualen für Tiere, sondern auch ein Medikament für Menschen, dessen Entwicklung auf unterschlagenen Daten und einem verfälschten Studienablauf beruht“, sagt Mülln.

Der Kontrollbehörde LAVES wurde von der LPT zu diesem Vorfall nichts gemeldet. Die Tierschützer haben deswegen eine Anzeige wegen Verdacht auf versuchten Betrug erstattet. Außerdem veranstaltet die SOKO eine Großdemo am Samstag den 19.10. in Hamburg und danach eine Mahnwache vor dem Labor im niedersächsischen Mienenbüttel (Neu Wulmstorf). (TT.com/mosc)