Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.10.2019


Gerichtssplitter

Prozess: Tiroler Bankangestellte rettete Seniorin das Vermögen

Zehn Jahre Haft drohen einem 27-Jährigen, der einer 83-Jährigen unter die Arme und aufs Vermögen gegriffen haben soll. Es geht um insgesamt 350.000 Euro. Er machte ein Erbschaftsversprechen geltend, die Seniorin verneint dies.

Senioren in Gefahr: Ein 27-Jähriger hatte versucht, vom Konto einer 83-Jährigen 330.000 Euro zu überweisen.

© dpaSenioren in Gefahr: Ein 27-Jähriger hatte versucht, vom Konto einer 83-Jährigen 330.000 Euro zu überweisen.



Der demografische Wandel — hin zu einer immer höheren Lebenserwartung — schlägt sich sogar schon am Strafgericht nieder. So werden vereinsamte Senioren immer öfter Ziel von Betrügereien. Ein besonders krasser Fall wurde nun gestern am Landesgericht verhandelt. Wegen qualifizierter Untreue (ein bis zehn Jahre Haft) war ein hochverschuldeter Familienvater — für ihn gilt die Unschuldsvermutung — angeklagt.

Im Zuge einer Übersiedlung war er im Herbst auf eine 83-Jährige getroffen, der er fortan gegen Bares zur Hand ging. Irgendwann folgte der Kardinalfehler der Dame: Für Behebungen hatte sie dem 27-Jährigen ihre Bankomatkarte mit Code übergeben. Anstatt beauftragter 300 Euro (Angabe der 83-Jährigen) wurden bis Weihnachten vom Konto der Dame in 16 Zugriffen insgesamt 6400 Euro behoben. Dazu landeten am Konto der Frau des Familienvaters 17.000 Euro. Drei Tage nach Weihnachten wollte der 27-Jährige offenbar den großen Coup landen. Mit dem Erstversuch einer Überweisung über 160.000 Euro scheiterte er laut Anklage aber an einer falschen IBAN, am zweiten Tag an der aufmerksamen Bankangestellten einer Oberländer Volksbank-Filiale.

Diese wurde nämlich misstrauisch, als der 27-Jährige bei ihr anfragte, warum denn (diesmal) 170.000 Euro nicht überwiesen worden seien. Bezeichnenderweise lauteten Betreffs der Anweisungen auf „Wohnung" und „Erbe". Dies alles wollte die Bankangestellte lieber von der Polizei geklärt wissen — und hat der Dame dadurch wohl das Vermögen gerettet. Richterin Helga Moser: „Frau Zeugin, ich bin begeistert und beeindruckt über Ihre Art des Mitdenkens. Sensationell, was Sie da für die Kundin geleistet haben!"

Der 27-Jährige bekannte sich nicht schuldig und machte für die Transaktionen ein Erbschaftsversprechen der Betreuten geltend. Dazu die 83-Jährige als Zeugin: „Die Behebungen über die 300 Euro hinaus waren nie erlaubt. Als Erben wollte ich ihn nie einsetzen, er hat doch immer Trinkgelder bekommen!" Etliche Zeugen — von Notaren, Polizeibeamten bis hin zu türkischen Anwälten — sollen beim zweiten Prozesstermin klären, ob etwas an der Erbschaftsvariante dran sein könnte.

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Nach Verurteilung wieder Waffe gekauft

Erst im Jahr 2016 war ein Innsbrucker wegen Besitzes verbotener Waffen am Landesgericht verurteilt worden. Eindruck hat dies keinen gemacht. Bestellte er in der Slowakei doch neben weiteren Waffen wieder die exakt gleiche Pistole. Gestern am Landesgericht machte er Unkenntnis über das aufrechte Waffenverbot geltend. Bestellt wurde aber unter falschem Namen. Wieder ist die Pistole weg. Zu 1440 Euro Geldstrafe kamen 400 Euro, die im Erstprozess nachgesehen worden waren. (fell)