Letztes Update am Mo, 28.10.2019 17:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Tiroler Musiker vor Verhandlung in Brasilien erschossen

Wegen Kokain-Schmuggels wurde ein Tiroler Musiker vor drei Jahren in Recife verhaftet. Vergangenen Donnerstag wurde er erschossen.

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Von Nikolaus Paumgartten

Recife, Innsbruck – Die Nachricht aus Brasilien erhielt Frau S. (Name der Redaktion bekannt) vor wenigen Tagen von einer guten Freundin ihres Sohnes. Der aus Tirol stammende Kevin R. wurde vergangene Woche am Donnerstag in Recife im Nordosten des Landes erschossen. Für Frau S. ist der gewaltsame Tod ihres Sohnes trauriger Höhepunkt und zugleich Ende einer dreijährigen Leidensgeschichte zwischen Hoffen und Bangen.

Es war im Oktober 2016, als der Musiker Kevin R. auf Einladung von Bekannten für einen Auftritt nach Brasilien reiste. Bei einer Kontrolle am Flughafen Recife wurden bei dem damals 24-Jährigen rund zwei Kilogramm Kokain gefunden, die in Dusch- und Shampoofläschchen versteckt waren. Man habe ihrem Sohn eine Falle gestellt und ihn unter Druck gesetzt, hatte Frau S. gegenüber der TT gemutmaßt. Es sei dort gängige Praxis, Ausländern Drogen entweder unterzuschieben oder sie zu zwingen, einen Schmuggelversuch zu unternehmen. Im Jänner 2017 kam es zur Verhandlung und einem Schuldspruch: Neun Jahre und neun Monate Haft. Eine Strafe, die bei einer Berufungsverhandlung vier Monate später auf sechseinhalb Jahre reduziert wurde. Ende 2017 wurde Kevin R. schließlich auf Bewährung aus der Haft entlassen, musste sich aber weiterhin regelmäßig im Gefängnis melden.

Weil die Behörden seinen Pass eingezogen hatten, konnte Kevin R. allerdings nicht arbeiten und war auf die Hilfe seiner Mutter angewiesen. Sie unterstützte ihn finanziell, machte sich aber auch bei den österreichischen Behörden dafür stark, dass ihr Sohn das Land verlassen darf oder wenigstens an Österreich ausgeliefert wird. Vergeblich.

„Am 24. Oktober hätte eine Verhandlung stattfinden sollen, in der über seine Ausreise entschieden werden sollte“, berichtet Frau S. „Vier Stunden vor dieser Verhandlung wurde er erschossen.“ Sie glaubt, dass Kevin R. plante, bei der Verhandlung Namen von Personen zu nennen, die eigentlich hinter dem Drogenschmuggel standen, und dass das sein Todesurteil war. Nun wartet sie auf den Leichnam ihres Sohnes. Kevin R. soll in Tirol bestattet werden.

Im Österreichischen Außenministerium will man aus Datenschutzgründen weder Namen noch Hintergründe des Falls kommentieren oder bestätigen. „Was wir bestätigen können ist, dass ein Österreicher in Brasilien gestorben ist, und dass dazu dort Ermittlungen der Polizei laufen“, sagt Peter Guschelbauer, Pressesprecher im Außenministerium.