Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.11.2019


Gerichtssplitter

Kopfschläge auf Wehrlosen: 15.000 Euro Strafe für Ischgl-Urlauber

Faustschläge auf Wehrlosen wurden streng bestraft. (Symbolfoto)

© iStockFaustschläge auf Wehrlosen wurden streng bestraft. (Symbolfoto)



Ein Unternehmer aus den Niederlanden und ein Polizist aus Luxemburg werden ihren letztjährigen Ischgl-Urlaub wohl auf immer in — unangenehmer — Erinnerung behalten. Im Jänner waren beide vor einem Après-Ski-Schirm zusammengetroffen. Der bereits mit 1,4 Promille alkoholisierte Luxemburger fragte darauf den Holländer immer und immer wieder um Feuer, obwohl ihm dieser schon mitgeteilt hatte, dass er Nichtraucher sei.

Dem nicht genug, baute sich der Polizeibeamte auf Urlaub vor dem bereits genervten Holländer auf und zog ihn an der Jacke. Darauf platzte dem Angestänkerten der Kragen. Zwei massive Faustschläge streckten den Alkoholisierten zu Boden. Dort verpasste der Holländer dem Luxemburger allerdings weitere Faustschläge ins Gesicht. Dies hatte massive Brüche im Gesichtsbereich zur Folge. Wegen Doppelbildern musste der Luxemburger sogar seine Ausbildung zum Motorradpolizisten an den Nagel hängen.

Für absichtlich schwere Körperverletzung verhängte das Landesgericht im Juni zur Hälfte bedingte 10.800 Euro Geldstrafe. Immerhin kamen noch 1150 Euro Rettungskosten und 12.000 Euro Schmerzensgeld dazu. Die Sanktion erschien Staatsanwalt Michae­l Gschwandtner angesichts der Folgen trotzdem zu milde. So landete der Fall nun am Oberlandesgericht. Dort wertete man die Provokation und die verhängte U-Haft zwar mildernd, hielt die Strafe angesichts der absolut brutalen Vorgangsweise aber ebenso für zu milde: „Für Faustschläge gegen den Kopf eines wehrlos am Boden Liegenden sind zur Hälfte bedingte 15.000 Euro angemessen!"

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Freisprüche ergingen am Landesgericht über drei junge Holländer. Sie waren wegen schwerer Sachbeschädigung angeklagt, da sie im Urlaub bei einem Bus alle Scheiben eingeschlagen haben sollen. Zeugen und Beweise gab es dafür aber keine — und das Polizeiprotokoll war allseits ohne Dolmetscher zustande gekommen. (fell)

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