Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.11.2019


Gerichtssplitter

Hitlergruß war keine Tanzbewegung: Geldstrafe und bedingte Haft für Tiroler

NS-Gedankengut von gestern wird immer häufiger über Nachrichtendienste von heute verbreitet – die Täter so leicht entdeckt.

© AFP/SankarNS-Gedankengut von gestern wird immer häufiger über Nachrichtendienste von heute verbreitet – die Täter so leicht entdeckt.



Der Neonazi von heute hat sich in unseren Breitengraden ziemlich verändert. So wandern zu Schwurgerichtsprozessen nach dem NS-Verbotsgesetz kaum noch Glatzköpfe mit Springerstiefeln ans Landesgericht. Auch Gewalttäter befinden sich immer seltener unter ihnen. Stattdessen sitzen meist recht unauffällige Typen vor den Geschworenen. Ihre Waffe: Postings im Internet. So wie gestern bei einem 25-jährigen Unterländer, der sich laut Staatsanwältin Veronika Breithuber gleich über 28 geschmacklose und letztlich strafrechtlich relevante WhatsApp-Postings wiederbetätigt haben soll. Schon der Name der WhatsApp-Gruppe weckte bei den Ermittlern Verdacht: „White Power". Dazu hatte der Arbeiter auch noch den Hitlerjugend- und Neonazispruch „Blut und Ehre" auf dem Oberkörper tätowiert.

Auch wenn die Tätowierung mittlerweile unkenntlich gemacht wurde, wirkte es da gestern wenig glaubhaft, dass der Angeklagte mit dem Gedankengut so rein gar nichts am Hut gehabt haben wollte. Auch ein Bild vom Hitlergruß mit ausgestrecktem rechten Arm wollte der Angeklagte als Armbewegung beim Tanzen erklären. Nicht überzeugend für die Geschworenen, die den Unterländer nahezu in allen Anklagepunkten einstimmig verurteilten. Nicht rechtskräftige zwei Jahre Haft wandelte das Schwurgericht darauf in 18 Monate bedingte Haft und 4320 Euro Geldstrafe um. Dazu kommen 1000 Euro Verfahrenskosten.

Parfümdieb verurteilt

Ein Parfümdieb und Einmietbetrüger aus Litauen ging im September der Polizei ins Netz. Bereits 2012 hatte der 31-Jährige in drei Innsbrucker Nobelhotels sein Unwesen getrieben, indem er 2000 Euro Zimmermiete schuldig geblieben war, dafür aber jeweils die Zimmer verwüstet hatte. Mit gefälschten Dokumenten eingemietet, behielt der Litauer diese Unart auch in Wiener Hotels bei. Dazu entwendete er in der Bundeshauptstadt auch noch 105 Parfümflakons im Wert von 11.533 Euro. Ein Jahr Haft nahm er gleich an. (fell)

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