Letztes Update am Mo, 25.11.2019 14:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Drei Juwelengarnituren aus Grünem Gewölbe in Dresden gestohlen

Nach dem spektakulären Raub in das Historische Grüne Gewölbe ist nun bekannt, dass die Täter gezielt eine Vitrine mit Juwelen ins Visier genommen hatten.

Journalisten und Passanten stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband.

© dpa-ZentralbildJournalisten und Passanten stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband.



Dresden — Beim Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe in Dresden sind drei Juwelengarnituren entwendet worden. Es seien eine Brillantengarnitur und zwei Diamantengarnituren gezielt aus einer Vitrine gestohlen worden, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, am Montag vor Journalisten. Ob die drei Garnituren vollständig gestohlen wurden, könne sie noch nicht sagen.

Die Spurensicherung sei noch vor Ort. Auch ein genauer finanzieller Schaden lasse sich nicht beziffern, sagte Ackermann. "Wir können es gar nicht in einem Wert auflösen, da es unverkäuflich ist - es gibt keinen finanziellen Wert, mit dem wir arbeiten." Ackermann sagte, der Materialwert der Schmuckstücke sei an sich nicht so hoch zu bewerten. Nach Polizeiangaben gingen die Täter "zielgerichtet" auf die Vitrine mit den Schmuckstücken zu und zertrümmerten diese. Die Räume des Museums sind eigentlich streng gesichert.

Sachsens Regierungschef zeigte sich entsetzt: „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!", sagte Kretschmer. „Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden", betonte Kretschmer. „Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens."

Die Polizei arbeitet auf Hochtouren - in der Schatzkammer befanden sich Stücke von unschätzbarem Wert.
Die Polizei arbeitet auf Hochtouren - in der Schatzkammer befanden sich Stücke von unschätzbarem Wert.
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Stücke von unschätzbarem Wert

Laut Zeitungsberichten brannte am Montagmorgen ein Stromkasten unter der Augustusbrücke, mit dem möglicherweise die Stromzufuhr zu den Staatlichen Kunstsammlungen unterbrochen wurde. Eine Sprecherin des Energieversorgers Drewag bestätigte den Vorfall: „Die Drewag musste den Schaltkasten außer Betrieb setzen." Ob es einen Zusammenhang mit dem Einbruch gibt, ist noch unklar. Die Polizei war für Nachfragen zunächst nicht zu erreichen.

Am Vormittag war die Spurensicherung am Tatort, die Polizei hatte sowohl einen Teil der Schatzkammer als auch die gegenüberliegende Schinkelwache — die Kasse der Semperoper — abgesperrt. Äußerlich wirkte die Schatzkammer unversehrt, die Fenster sind durch historische gusseiserne Gitter geschützt.

Die Polizei geht nach dem Einbruch von zwei Tatverdächtigen aus. Auf der Kamera im Juwelenzimmer seien zwei Einbrecher zu sehen gewesen, sagte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange. Es sei nicht ausgeschlossen, dass weitere Tatverdächtige beteiligt gewesen sein. Die Täter seien durch ein Fenster eingedrungen, hätten ein Gitter durchtrennt und das Fenster eingeschlagen. Sie seien zielsicher auf eine Vitrine zugegangen und hätten diese zertrümmert.

Bislang noch kein Fahndungserfolg

Der Einbruch sei am frühen Montagmorgen gemeldet worden. Um 4.59 Uhr hätten sie vom Sicherheitsdienst die Information bekommen, dass es zu einer Einbruchshandlung komme, sagte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa bei einer Pressekonferenz. Kurz darauf sei der erste Streifenwagen beauftragt worden. Einen Fahndungserfolg gebe es noch nicht.

Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) ließ die Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen. Heute wird sie in zwei Abteilungen präsentiert. Der historische Teil befindet sich im Erdgeschoss des Residenzschlosses in den authentisch wiederhergestellten Räume der Sammlung. Eine Etage weiter oben zeigt das Neue Grüne Gewölbe besondere Einzelstücke.

Tatortermittler versuchen, die nötigen Spuren sicherzustellen, um den Tätern schnell auf die Schliche zu kommen.
Tatortermittler versuchen, die nötigen Spuren sicherzustellen, um den Tätern schnell auf die Schliche zu kommen.
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Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt — der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe" des Metropolitan Museum of Art. (dpa)

Spektakuläre Diebstähle aus Museen

  • Berlin, März 2017: Aus dem Bode-Museum auf der Museumsinsel stehlen Einbrecher eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von 3,75 Millionen Euro. Seit Jänner 2019 stehen mehrere Männer vor Gericht. Die Polizei nimmt an, dass die Münze eingeschmolzen wurde.
  • Verona, November 2015: Bewaffnete rauben aus dem Museum Castelvecchio 17 Renaissance- und Barockgemälde im Wert von geschätzt etwa 15 Millionen Euro. Die Bilder etwa von Tintoretto und Peter Paul Rubens tauchen wieder auf. Die Täter müssen bis zu rund 10 Jahre in Haft.
  • Zürich, Februar 2008: Bewaffnete Männer rauben vier Ölgemälde im Wert von 180 Millionen Schweizer Franken aus der Sammlung Bührle, darunter Werke von Claude Monet und Vincent van Gogh. Vier Jahr später sind alle Bilder wieder da. Die Täter kommen bis zu sieben Jahre in Haft.
  • Oslo, August 2004: Bewaffnete überfallen das Munch-Museum und rauben eine Version des Gemäldes "Der Schrei" und das Werk "Madonna". Schätzwert: insgesamt 90 Millionen Euro. Beide Gemälde tauchen wieder auf, die Diebe müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.
    Wien, Jänner 2003: Benvenuto Cellinis Salzfass "Saliera" wird aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM) gestohlen, drei Jahre später wird der Täter verhaftet, das Kunstwerk wird in einem Wald wiedergefunden. Schätzungen zum Wert des als eigentlich unschätzbar bewerteten Kunstwerks lagen anlässlich des Diebstahls um die 50 Millionen Euro.
  • Berlin, April 2002: Neun Gemälde bekannter Expressionisten im Wert von rund 3,6 Millionen Euro verschwinden aus dem Brücke-Museum. Wenige Wochen später werden die Bilder von Künstlern wie Emil Nolde oder Max Pechstein sichergestellt. Die Täter wurden zu Gefängnisstrafen von bis zu fünfeinhalb Jahren verurteilt.
  • Frankfurt, Juli 1994: Diebe überwältigen nachts den Sicherheitsdienst der Kunsthalle Schirn und stehlen drei Bilder von William Turner und Caspar David Friedrich. Versicherungswert: 70 Millionen D-Mark. Jahre später tauchen die Bilder wieder auf. Die Täter kommen bis zu elf Jahre in Haft, die Hintermänner bleiben unbekannt.
  • Gotha, Dezember 1979: Bei einem bis heute unaufgeklärten Kunstraub werden aus Schloss Friedenstein fünf Gemälde mit einem damaligen Wert von 4,5 Millionen D-Mark gestohlen - etwa von Jan Brueghel dem Älteren und Hans Holbein. Die Straftat ist mittlerweile
Der Siegelring von Martin Luther (Mitte, Süddeutsch, um 1530) im Historischen Grünen Gewölbe in Dresden (Sachsen).
Der Siegelring von Martin Luther (Mitte, Süddeutsch, um 1530) im Historischen Grünen Gewölbe in Dresden (Sachsen).
- dpa-Zentralbild