Letztes Update am Di, 26.11.2013 07:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess

Ex-Freundin erschossen: 20 Jahre für Mord von Oetz

Jener 67-Jährige, der 2012 in Oetz aus Eifersucht eine Frau erschoss, ist heute am Landesgericht Innsbruck des Mordes schuldig gesprochen worden. Der Ötztaler wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.



Innsbruck – Wegen Mordes ist ein 67-jähriger Tiroler am Montag am Landesgericht Innsbruck zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dem Mann wurde vorgeworfen, mit einem Jagdgewehr eine Frau erschossen zu haben. Nach relativ kurzer Beratung über das allfällige Mordmotiv oder des fahrlässigen Tatgeschehens kamen die Geschworenen Montagmittag mit 8:0 der Stimmen zu einem eindeutigen Ergebnis. Bei der Bluttat handelt es sich um vorsätzlichen Mord.

Eine Unzurechnungsfähigkeit oder ein Zustand einer strafmindernden vollen Berauschung schlossen die Geschworenen mit 0:8 der Stimmen völlig aus. Der Verurteilte erhob Nichtigkeitsbeschwerde. Staatsanwalt Florian Oberhofer gab vorerst keine Erklärung ab. Das Schwurgericht sprach über den eifersüchtigen 67-Jährigen mit 20 Jahren de facto lebenslänglich aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Bluttat hatte sich in der Nacht auf den 26. Juni 2012 gegen 23 Uhr in einem Lokal im Ötztal ereignet. Zuvor dürfte es eine Auseinandersetzung zwischen der 31-jährigen Angestellten und dem 67-Jährigen gegeben haben, er wurde nach dem Streit des Lokales verwiesen. Wenig später soll er mit einem Jagdgewehr bewaffnet zurückgekommen sein und der Frau in die Brust geschossen haben. Sie starb rund eine Stunde nach dem Vorfall in der Innsbrucker Klinik.

Drei psychiatrische Gutachten

Das anfänglich eingeleitete Verfahren auf Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher entzweite jedoch die Psychiater. Von unzurechnungsfähig bis nur eingeschränkt zurechnungsfähig lauteten die Beurteilungen durch gleich drei Mediziner.

Im heutigen Verfahren führte der österreichweit bekannte Psychiater Reinhard Haller aus, dass der Angeklagte kein Fall für eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher sei. Zum Tatzeitpunkt sei er nämlich zwar hochgradig eingeschränkt, aber auch zurechnungsfähig gewesen, Weder wäre bei dem Alkoholiker durch einen Blutalkohol von 2,3 Promille ein Vollrausch vorgelegen, noch habe er die Tat im Affekt begangen. Dazu sei der Mann viel zu zielgerichtet vorgegangen und wäre der gesamte Tatverlauf vom Verlassen des Lokals zur Abholung der Waffe in seiner Wohnung und letztendlich darauf die Tötung des Opfers wiederum im Lokal viel zu komplex gewesen, führte Haller aus.

Auch wäre bei dem Täter keine Wahnvorstellung vorgelegen, habe er doch mit dem Opfer tatsächlich einmal eine Beziehung gehabt und somit aus gutem Grund eifersüchtig sein dürfen.

Kastner: „Angeklagter war zurechnungsfähig“

Laut Gerichtspsychiaterin Karin Kramer-Reinstadler hatte der Oetzer bei der Tat nicht nur Wahnvorstellungen, sondern sei das Gehirn durch Alkoholmissbrauch auch derartig geschädigt, dass der Eifersüchtige das Unrecht der Tat erkennen, aber sein Handeln nicht mehr steuern konnte. Schon bei der Tatrekonstruktion wusste der Rentner ja nicht mehr, dass sich die Tat nicht an der Theke, sondern auf der Lokalterrasse abgespielt hatte.

Entgegengesetzt die vom Schwurgericht angeregte Befundung durch Psychiaterin Adelheid Kastner: „Der Angeklagte hat keine Geisteskrankheit, keine ausgeprägte Minderbegabung, keine Psychose und keine tiefgreifende Bewusstseinsstörung. Er ist schwerer Alkoholiker, war aber zur Tatzeit zurechnungsfähig – wenn auch eingeschränkt.“ Das Obergutachten von Psychiater Reinhard Haller kommt nun wieder zu einem anderen Schluss, beschreitet aber einen Mittelweg. Demnach sei der 67-Jährige stark eingeschränkt zurechnungsfähig – dessen Fähigkeit, das eigene Handeln zu steuern, „höhergradig eingeschränkt“. Die Voraussetzungen für eine allfällige Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher seien nicht gegeben.

Geschworenen kamen auf eindeutiges Ergebnis

Die Geschworenen zogen sich am späten Montagvormittag zur Beratung zurück. Nach relativ kurzer Zeit kamen sie mit 8:0 der Stimmen zu einem eindeutigen Ergebnis. Bei der Bluttat Ende Juni 2012 handelt es sich um vorsätzlichen Mord. Der Tiroler wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. (fell)