Letztes Update am Di, 24.12.2013 06:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mordfall Daniela Kammerer

Alibi geplatzt: Acht Jahre nach Mord in Haft

Ein 29-jähriger Niederösterreicher soll für den Mord an der Studentin Daniela Kammerer verantwortlich sein. Angeblich ist jetzt sein Alibi geplatzt – der Mann wurde festgenommen.

© TT/Thomas BöhmErmittler des Landeskriminalamtes bei der Telefonzelle, in der Daniela Kammerer starb.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck, Wien – Wer hat am 23. Juni 2005 die niederösterreichische Studentin Daniela Kammerer im Innsbrucker Rapoldipark mit einem Messer ermordet? Achteinhalb Jahre blieb diese Frage offen. Doch jetzt sind die Ermittler des Bundes- und des Landeskriminalamtes optimistisch, die Frage beantworten zu können. „Ein ehemaliger Studienkollege des Opfers, der zuletzt im Ausland lebte, wurde am Sonntagabend am Flughafen Wien-Schwechat festgenommen“, bestätigt Silvia Strasser, Sprecherin des Bundeskriminalamtes in Wien. Inzwischen ist auch durchgesickert, dass es sich beim „Ausland“ um Australien handelt. Und dass der Studienkollege wie das Opfer aus Niederösterreich stammt und heute 29 Jahre alt ist.

Für die Tiroler Ermittler übrigens ein alter Bekannter: Der damals 21-Jährige wurde schon bald nach der Bluttat im Rapoldipark von den Kriminalisten überprüft. „Reine Routine“, erinnert sich ein Beamter: „Wir haben uns damals jeden angeschaut, der mit dem Mordopfer zu tun hatte. Und die beiden waren ja in derselben Clique.“

Allerdings konnte der Niederösterreicher ein Alibi vorweisen. Ein scheinbar hieb- und stichfestes Alibi, das von einem Freund bestätigt wurde. Und damit war der 21-Jährige aus dem Spiel, die Kriminalisten suchten nach einer anderen Lösung für das Mordrätsel.

Zunächst vergeblich, daran konnte auch ein neuer Anlauf der Kriminalisten zwei Jahre nach dem Mord nichts ändern. Im Rahmen der „operativen Fallanalyse“ ackerten Ermittler, die mit dem Fall Kammerer bisher nichts zu tun hatten, den Akt noch einmal durch. Um möglicherweise auf Hinweise zu stoßen, die von den Sachbearbeitern übersehen wurden. Die Bemühungen blieben allerdings unbelohnt.

Cold-Case-Ermittlungen brachten Durchbruch

Vor etwa einem Jahr schaltete sich das Bundeskriminalamt in Wien ein. Die Abteilung „Cold Case Management“, spezialisiert auf das Aufrollen ungeklärter Kapitalverbrechen, übernahm den Fall. Die Beamten arbeiteten nicht nur den Akt Daniela Kammerer Seite für Seite durch, sie beschäftigten sich auch mit dem damaligen Bekanntenkreis des Mordopfers. „Wir haben etwa 25 Personen befragt und werten derzeit die Aussagen aus“, beschrieb Mitte Oktober Mario Hejl vom Bundeskriminalamt die Vorgangsweise. Möglicherweise war es eine dieser Aussagen, die das Alibi des Niederösterreichers spät, aber doch platzen ließ. An eine Festnahme des Verdächtigen war vorerst allerdings nicht zu denken. Wie die Ermittlungen ergaben, ist der ehemalige Student mittlerweile nach Australien ausgewandert. „Daher haben wir auf seine Rückkehr warten müssen“, so Silvia Strasser am Montag. Als der Beschuldigte zwei Tage vor dem Heiligen Abend gegen 20.45 Uhr am Flughafen Wien-Schwachat landete, wurde er bereits von der Polizei erwartet.

Bei den ersten Einvernahmen soll der 29-Jährige jeden Zusammenhang mit der Gewalttat bestritten haben. Am Montag „hat sich die Verdachtslage gegen den Beschuldigten aber verschärft“, teilte BKA-Sprecherin Strasser kryptisch mit.

Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Untersuchungshaft beantragt. Der zuständige Richter des Innsbrucker Landesgerichts wird den Verdächtigen heute im Rahmen einer Videokonferenz befragen, ehe er über den Antrag entscheidet.

Der 29-Jährige verbrachte die Nacht zum Dienstag in der Justizanstalt Wien-Josefsstadt, soll aber demnächst nach Innsbruck überstellt werden.