Letztes Update am Fr, 07.02.2014 06:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Zechbetrug: Polizei ermittelt gegen Rockband

Zechprellerei-Vorwürfe, Sachbeschädigungen, Polizeieinsätze: Eine Rockband aus Estland sorgt nicht nur mit Musik für Aufsehen.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Rockband Defrage aus Estland, einst sogar mit einem MTV-Award ausgezeichnet, beschäftigt derzeit gleich mehrere Polizeidienststellen. Die Vorwürfe: Zechbetrug, Sachbeschädigungen, Diebstahl.

„In Stans haben die Bandmitglieder am 29. Jänner in einer Pension die Rechnung nicht bezahlt und das Zimmer verunreinigt – 400 Euro Schaden“, sagt ein Schwazer Beamter.

Nur einen Tag vorher musste die Zirler Polizei in Inzing einschreiten. Der Grund: „Nachdem die acht Personen einer Musikgruppe aus Estland gegen 20 Uhr anfingen zu randalieren, verwies sie der Besitzer aus dem Hotel“, heißt’s im Polizeibericht: „Die Personen verließen dann, ohne zu bezahlen, das Hotel, entwendeten aus einem Zimmer ein Radio und beschädigten eine Porzellanpuppe.“ Der Schaden betrage ein paar hundert Euro, ergänzt ein Polizeibeamter. Auch in Salzburg soll noch eine Rechnung offen sein. „So sind’s halt, die Rocker“, meint ein Polizist mit ironischem Unterton.

Die Defrage-Musiker machten schon mehrfach Bekanntschaft mit der Tiroler Polizei. Vor etwa einem Jahr lösten die Musiker sogar einen Großeinsatz in einem Innsbrucker Nachtlokal aus. 15 Beamte mussten ausrücken, um die Rocker von der Bühne zu holen. Die Band wollte damals mit dreistündiger Verspätung, dafür aber ohne Sänger, auftreten. Der Geschäftsführer war dagegen, was die Musiker nur wenig beeindruckte – sie spielten munter weiter. Schließlich waren’s die Polizeibeamten, die das unerwünschte Konzert beendeten.

Aber auch abseits der aktuellen Vorwürfe scheinen die Musiker ein gespanntes Verhältnis zur heimischen Exekutive zu haben. So zeigt ein Video auf der Facebook-Seite von Defrage, was die Rocker unter einem „kleinen Spaß mit der Polizei“ verstehen. Zuerst verunreinigt ein Bandmitglied mit einem gezielten Eierwurf vom dritten Stock ein Polizeiauto. Dann verkündet ein Defrage-Mitglied mit einem breiten Grinsen, dass nur ein „toter Polizist ein guter Polizist“ sei.

Unterm Strich ist’s daher kein Wunder, dass sich Tiroler Polizeibeamte mit dem Tourkalender der Estlander beschäftigen. Und der verrät, dass die Rockmusiker wohl bald in der Steiermark auftauchen werden. Am 7. Februar ist jedenfalls ein Auftritt in Leoben geplant. „Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass die steirischen Kollegen dort vorbeischauen werden“, meint ein Tiroler Beamter.

Ein Haftbefehl sei aufgrund der Zechbetrügereien und Sachbeschädigten zwar nicht ausgestellt, dennoch „sind noch einige Fragen abzuklären“.

Die Band aus Estland ist übrigens bereits seit zwei Jahren fast ununterbrochen auf Tour. Und zwar bevorzugt in Mittel- und Westeuropa.




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