Letztes Update am Do, 13.03.2014 14:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Prozess in Innsbruck: Nazi-Ramsch aus Jugendzeit kam teuer

Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei neben einschlägigen Bildern auch die deutsche Reichsfahne und ein Feuerzeug mit Hakenkreuz, mit dem der Oberländer sogar auf seinem Arbeitsplatz vor Kollegen herumhantiert hatte. Der 23-Jährige wurde zu zehn Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe von 7200 Euro verurteilt.



Innsbruck – Ein 23-jähriger Oberländer scheint mit beiden Füßen am Boden zu stehen: Nette Frau, kleines Kind und eine harte, herausfordernde Arbeit, die 3000 Euro im Monat einbringt. So sah es bei dem Familienvater allerdings nicht immer aus.

So hatte er bis vor Kurzem noch Flausen im Kopf, die ihn gestern bis vor das Schwurgericht führten. So war der Arbeiter letztes Jahr ins Visier der Drogenfahnder geraten, was eine Hausdurchsuchung zur Folge hatte.

Dort fand die Polizei dann zwar keine Drogen, jedoch etlichen Nazi-Ramsch. Neben einschlägigen Bildern, die aufgrund ihrer Löcher auch einmal an einer Wand gehängt haben müssen, auch die deutsche Reichsfahne, ein Feuerzeug mit Hakenkreuz, mit dem der Oberländer sogar auf seinem Arbeitsplatz vor Kollegen herumhantiert hatte. Erstanden hatte der Oberländer das alles auf einer Messe der NS-Szene in Deutschland.

Gestern klangen die Erklärungen einsichtig: „Ich wollte mit 17 Jahren halt noch den harten Brocken markieren“, gestand der Angeklagte vor den Geschworenen.

Klug war auch nicht, dass er zur Einvernahme im T-Shirt zur Polizei erschienen war, wo er doch am Unterarm „88“ eintätowiert hatte – ein Geheimcode in der NS-Szene für „Heil Hitler!“. „Ich war ja so dumm!“, schüttelte der Oberländer dazu selbst über sich den Kopf und muss die „88“ nun mühsam übertätowieren lassen. Nicht gerechnet hat der Arbeiter übrigens auch mit einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren für seine Jugendsünden.

Die Geschworenen beließen es bei dem Unbescholtenen jedoch bei zehn Monaten bedingter Haft und immerhin 7200 Euro Geldstrafe. (fell)




Kommentieren