Letztes Update am Mi, 26.03.2014 09:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unterwegs am Straßenstrich

Video: Schwierige Arbeit zwischen Rotlicht und Blaulicht

Vergangenes Jahr wurde die SOKO Prostitution ins Leben gerufen, um der illegalen Straßen- und Wohnungsprostitution den Kampf anzusagen. Doch die Kriminalisierung und Illegalisierung von Sexarbeit verschlimmere die Situation für Sexarbeiterinnen, kritisiert die Beratungseinrichtung iBUS. Eine Videoreportage über die Arbeit der SOKO Prostitution und das Anfang des Jahres gestartete Projekt iBUS.

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© APA/Helmut Fohringer(Symbolfoto)



Innsbruck – Es ist ein Thema, das quer durch alle Lager für heiße Diskussionen sorgt: Soll Prostitution kriminalisiert oder gesellschaftlich anerkannt werden, um den mit ihr verbundenen Problemen von Menschenhandel, Gewalt und Ausbeutung von Frauen ein Ende zu setzen? Auch Frauenrechtlerinnen sind gespalten: Die Aktivistinnen von Femen verdammen Prostitution etwa als Sklaverei, der Wiener Appell (Verein femistischer Diskurs) fordert ebenso wie Alice Schwarzer in Deutschland ein Sexkauf-Verbot.

Und auch die EU denkt über ein Prostitutionsverbot nach, Freier sollen bestraft werden.

Auf der anderen Seite kämpfen Sexarbeiterinnen um ihre Rechte. In Innsbruck werden sie von iBUS, der Anfang des Jahres gegründeten Beratungseinrichtung und Interessenvertretung für Sexarbeiterinnen, unterstützt. iBUS wurde vom Land initiiert und ist im AEP angesiedelt, einem der ältesten Frauenvereine Österreichs. Das Projekt setzt sich für eine Entkriminalisierung von Sexarbeit ein. Die beiden iBUS-Mitarbeiterinnen machen u.a. Streetwork am Innsbrucker Südring und Mitterweg.

Dort sind auch die Beamten der SOKO Prostitution ( Polizei mit Unterstützung des Stadtmagistrats und der Finanzpolizei) regelmäßig unterwegs. Rund 2200 Anzeigen sind seit der Gründung der Gruppe im Frühsommer vergangenen Jahres erfolgt, die dabei gewonnenen Informationen bilden „wertvolle Grundlage für weitere kriminalpolizeiliche Ermittlungen“, heißt es seitens des Landeskriminalamtes. „Irgendeine Form von Zwang“ werde immer auf die Frauen ausgeübt. Häufig sei dieser ökonomischer Natur. Die Frauen, die zumeist sehr jung sind, stammen großteils aus ärmlichen Verhältnissen in Bulgarien oder Rumänien.

„Die Frauen sind oft Analphabetinnen mit geringer Aussicht auf eine andere Arbeit“, sagt Innsbrucks Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler. Die Arbeit der SOKO Prostitution habe nie darauf abgezielt die einzelnen Prostituierten zu illegalisieren. Vielmehr gehe es darum auch die Zuhälter, die Wohnungsvermieter und die Freier zur Verantwortung zu ziehen, so Kirchler.

„Man muss Sexarbeit in Verbindung mit globalen Zusammenhängen und den kapitalistischen Verhältnissen sehen“, sagt Isabella Hafele von iBUS und führt die „Armut in Herkunftsländern und die restriktive Migrationspolitik der Zielländer“ an. In der derzeitigen Diskussion um Sexarbeit seien die Grenzen zwischen selbstbestimmter Sexarbeit und sexueller Ausbeutung „nahezu verwischt“. iBUS fordert eine „klare Trennung und einen differenzierten Umgang im Interesse von Sexarbeiterinnen sowie von Betroffenen von Menschenhandel, da beide Gruppen differenzierte Unterstützungsangebote benötigen“. Die Einräumung von Rechten wäre laut iBUS wichtig, um besser gegen Ausbeutung vorgehen zu können: „Die Frauen könnten sich gegen Missstände wehren“, ist Hafele überzeugt. Mehr über die Arbeit der SOKO Prostitution und die Anliegen von iBUS sehen Sie in der Videoreportage. (sire)