Letztes Update am Mo, 31.03.2014 22:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Afghane erstach Ehefrau

„Meine Frau hat den Tod verdient“

Mit seinen Aussagen zur grausamen Ermordung seiner Frau mitten auf der Maria-Theresien-Straße sorgte ein Afghane vor Gericht für Entsetzen. Die Geschworenen verurteilten ihn zu lebenslanger Haft.

Der 23-jährige Afghane musste sich am Montag am Innsbrucker Landesgericht wegen Mordes verantworten.

© TT/Thomas BöhmDer 23-jährige Afghane musste sich am Montag am Innsbrucker Landesgericht wegen Mordes verantworten.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – „In der in Tirol größtmöglichen Öffentlichkeit – mitten auf der Maria-Theresien-Straße – hat der Angeklagte 14-mal auf seine Ehefrau eingestochen. Und das direkt neben seinem eineinhalbjährigen Sohn. Es war der pure Mord!“ Das gestrige Eröffnungsplädoyer von Staatsanwalt Thomas Willam am Landesgericht ließ keine Zweifel offen.

Satz für Satz legte der Staatsanwalt vor den Geschworenen dar, dass der angeklagte Afghane im August des Vorjahres den Mord aus purer Eifersucht begangen hat. Denn vor den tödlichen Stichen hatte der 23-Jährige seine vor ihm ins Frauenhaus geflohene Ehefrau noch in aller Seelenruhe gefilmt. Er wollte die öffentliche Unterhaltung mit einem fremden Mann als Beweis für einen Ehebruch festhalten.

Danach ging alles ganz schnell, wie Zeugen schilderten. Der Afghane hatte seine Frau noch kurz angesprochen, um danach mit einem Klappmesser wahllos auf sie einzustechen. Mit voller Wucht rammte er seiner Frau das Messer in den Körper, „die Stichwunden waren teils tiefer, als die Messerklinge lang ist“, sagte die gerichtsmedizinische Gutachterin Marion Pavlic. Ein Stich traf auch das Herz der jungen Frau.

Passantin brachte Kleinkind in Sicherheit

Geistesgegenwärtig griff währenddessen eine Passantin in den direkt danebenstehenden Kinderwagen und lief mit dem Kleinkind davon. Der Asylwerber, der mit seiner Frau erst vor zwei Jahren über den Iran und Griechenland nach Tirol gekommen war, suchte nach der Tat das Weite. Erst tags darauf stellte er sich der Polizei. Doch weder damals noch gestern vor den Geschworenen oder vor Gerichtspsychiaterin Karin Kramer-Reinstadler zeigte er Reue. So äußerte der 23-Jährige noch vor der Polizei: „Ich habe zugestochen, solange ich wollte!“ Und bekräftigte bei der Psychiaterin: „Sie hat den Tod verdient. Ihr Vergehen ist das schlimmere als das meine!“

Doch die Frau musste die Hölle auf Erden erlebt haben. Der Tat waren laut den Schilderungen ihres Vaters schon jahrelange Gewalttätigkeiten in der Ehe vorausgegangen: „Schon 20 Tage nach der Heirat hat er sie geschlagen. Zuletzt sogar mit einer Flasche.“

Bereut hat der Angeklagte allenfalls eines: „Wenn ich das alles nur geahnt hätte, hätte ich sie nicht in Österreich umgebracht, aber ich kenne hier eben weder Sprache noch Gesetze. In Afghanistan wäre ich dafür straffrei geblieben. Alleine meine Bilder hätten der Regierung für ein Todesurteil durch Steinigung ausgereicht.“

Verteidiger auf verlorenem Posten

Verteidiger Christian Klotz wertete eben dieses Verharren in anerzogenen Denkschemen als zwingenden Grund, die Tat nicht als Mord, sondern als Totschlag zu sehen. Schließlich sei im Kulturkreis des Angeklagten dessen Reaktion auf vermuteten Ehebruch als die für Totschlag geforderte „allgemein begreifliche heftige Gemütsbewegung“ zu sehen. Da sein Mandant jedoch bis zum Schluss kein Wort der Entschuldigung für seine Tat über die Lippen bekam, stand die Verteidigung auf verlorenem Posten.

Staatsanwalt Willam reagierte scharf: „Ich bin es leid, dass man diese Taten immer auf den migrantischen Hintergrund schieben will. Die Annasäule steht nicht in Afghanistan, sondern in Tirol. Unser Rechtssystem erlaubt nicht, dass man sich die Rosinen herauspickt, westlich leben, aber letztlich weiter afghanisch handeln will!“

Die Vorführung einer Tatrekonstruktion war übrigens entfallen. Der Angeklagte hatte sie verweigert, weil er nicht mehr an den Ort kommen wollte, der sein Leben zerstört habe. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Strafrichterin Helga Moser hielt dann einzig zwei Delikte rechtlich der Tat zuordenbar: Mord oder absichtlich schwere Körperverletzung mit Todesfolge – nicht aber Totschlag.

Kurz, und im Vergleich zu anderen Fällen sehr kurz, berieten daraufhin die Laienrichter. Nach zwei Stunden stimmten sie mit 8:0 für Mord und lebenslange Haft. Der Angeklagte meldete sofort Nichtigkeitsbeschwerde an.

Der kleine Bub des Paars wächst mittlerweile bei seinen Großeltern mütterlicherseits in Hamburg auf. Sie haben das Sorgerecht erhalten.


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