Letztes Update am Di, 29.04.2014 06:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kufstein

Ermittler: Serienräuber „zu 50 Prozent Mörder“ von Lucile

Für einen in Wien verhafteten Serienräuber interessieren sich auch die Tiroler Mordermittler. Wegen der zahlreichen Parallelen zum Fall Lucile K.

Die Stelle, an der Lucile K. in der Nacht zum 12. Jänner 2014 ermordet wurde.

© ZOOM-TirolDie Stelle, an der Lucile K. in der Nacht zum 12. Jänner 2014 ermordet wurde.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Mit einer Eisenstange bewusstlos geschlagen und ausgeraubt: Eine Vorgangsweise, die an das tragische Schicksal der französischen Studentin Lucile K. in Kufstein erinnert. Tatsächlich aber war’s eine 25-Jährige in Wien, die am 6. April Opfer eines brutalen Räubers wurde. Die ÖVP-Mitarbeiterin liegt seither auf der Intensivstation – Lebensgefahr. Kein Einzelfall übrigens, der mittlerweile festgenommene Täter soll mindestens sieben weitere meist jüngere Frauen schwer misshandelt und dann beraubt haben.

Die Wiener Raubserie inter­essiert jetzt auch die Tiroler Ermittler. „Die Vorgangsweise des Verdächtigen lässt zahlreiche Parallelen zum Mordfall Lucile K. erkennen“, begründet Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes in Innsbruck.

Die Raubserie in Wien begann am 23. März: Damals wurde eine 24-Jährige in Favoriten von einem zunächst Unbekannten niedergeschlagen und schwer verletzt. Der Täter flüchtete mit dem Handy, der Bankomatkarte und dem Bargeld des Opfers. Das war nur der Anfang, seither schlug der Räuber weitere sieben Mal zu. Bei mehreren Überfällen mit einer Eisenstange, bis die Opfer das Bewusstsein verloren. „Es ist ein Wunder, dass es keine Todesopfer gibt“, sagt der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl.

Nach einem weiteren Überfall am Wochenende konnte die Wiener Polizei die Serie beenden und einen 21-jährigen Rumänen festnehmen. Sieben Überfälle hat der Mann bereits gestanden, die Ermittler ordnen dem Verdächtigen aber mindestens ein weiteres Raubdelikt zu. „Er wollte offenbar, dass seine Opfer bewusstlos sind, dass er besser fliehen kann“, erklärt der Wiener Ermittler Robert Klug die ungewöhnliche Brutalität des Täters.

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Vorliebe für Eisenstangen

Und diese Brutalität war es auch, die die Tiroler Kriminalisten hellhörig werden ließ. „Es gibt nicht sehr viele Täter, die bei Raubdelikten eine derart überbordende Gewalt anwenden“, erläutet Walter Pupp.

Auch die Vorliebe des Rumänen für Eisenstangen ist den Tiroler Ermittlern aufgefallen – Lucile K. wurde in der Nacht zum 11. Jänner an der Kufsteiner Innpromenade mit dem Stahlrohr eines Wagenhebers erschlagen.

Dazu kommt, dass die 21-jährige Lucile auch ins Opferschema des Rumänen passt: „Die Frauen in Wien waren ebenfalls größtenteils eher jung.“

Eine weitere Parallele sehen die Ermittler bei den Gegenständen, auf die es der Räuber abgesehen hat. „Er nahm die Handys, das Bargeld und manchmal auch die Handtaschen der Opfer mit“, sagt Pupp.

Ins Kufsteiner Bild passen auch die Zeitpunkte für die Überfälle – der 21-Jährige schlug immer am späten Abend bzw. in der Nacht zu.

Auch ohne konkreten Beweis beziffert Pupp die Wahrscheinlichkeit, dass der Serienräuber Luciles Mörder ist, mit „50 Prozent“.

Die weitere Vorgangsweise der Kriminalisten: „Jetzt wird geprüft, ob es DNA-Übereinstimmungen zwischen dem Tatort in Kufstein und dem Verdächtigen gibt“, erklärt Pupp: „Außerdem schauen wir, ob der Rumäne am 11. Jänner in Kufstein war.“

„In etwa 14 Tagen“, so hofft der Leiter des Landeskriminalamtes, „werden wir mehr wissen.“