Letztes Update am So, 03.08.2014 07:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbrucker Mordfall

Ermittler im Fall Kammerer stehen wieder am Anfang

Gestern wies das Landesgericht einen letzten Fortführungsantrag der Kammerer-Eltern gegen den spektakulär verhafteten Niederösterreicher ab.

© ZOOM-TIROLErmittler vor der Telefonzelle, in der Daniela Kammerer im Juni 2005 erstochen wurde.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Einer der aufsehenerregendsten Innsbrucker Mordfälle endete im Dezember nach Ermittlungen des Cold-Case-Teams des Bundeskriminalamts mit der spektakulären Verhaftung eines einstigen Studienkollegen der im Juni 2005 beim Rapoldipark erstochenen niederösterreichischen Studentin Daniela Kammerer. Kurz vor dem Weihnachtsfest war der heute in Australien arbeitende Niederösterreicher damals direkt vor den Augen seiner Schwiegereltern noch am Flughafen Wien-Schwechat festgenommen worden. Sechs Wochen Haft folgten darauf.

Angesichts der vom Cold-Case-Team zusammengetragenen Verdachtsmomente bewertete auch das Innsbrucker Landesgericht den Tatverdacht gegen den beharrlich leugnenden Niederösterreicher zweifach als dringend. Bis sich nach und nach herausstellte, dass die Suppe um den neuen Hauptverdächtigen doch recht dünn war.

Im Februar verkündete die Staatsanwaltschaft dann nach der dritten Haftprüfung: „Nach Rücksprache mit dem Cold-Case-Team sind keine weiteren Beweisergebnisse aufgetreten. Im Zuge einer Gesamtprüfung und unter Berücksichtigung der ‚Verurteilungswahrscheinlichkeit‘ ist die Staatsanwaltschaft zum Schluss gekommen, das Verfahren einzustellen.“

Am selben Tag wurde der schwer gezeichnete 29-Jährige auf freien Fuß gesetzt.

Trotzdem konnte das Mord­ermittlungsverfahren erst gestern endgültig zu den Akten gelegt werden. Hatten doch die Eltern des Mordopfers noch einmal einen Antrag auf Fortführung der Ermittlungen gestellt. Insbesondere die Spurenlage an der Kleidung von Daniela Kammerer und am Griff ihres Fahrradlenkers veranlassten die Eltern dazu. Ein Dreiersenat des Landesgerichtes unter Vorsitz von Richter Wolfgang Schaumburger prüfte nun alle vorgebrachten Verdachtsmomente nochmals genau und gab einer Fortführung nicht statt – ein Rechtsmittel gibt es dagegen keines mehr.

Richter Schaumburger: „Insgesamt stellen die Fortführungswerber der Einstellungsbegründung der Staatsanwaltschaft lediglich einzelne Beweisergebnisse gegenüber und ziehen daraus für den Beschuldigten nachteilige Schlüsse, womit sie ihrer Verpflichtung zur deutlichen Bezeichnung von Gründen, aus denen sich erhebliche Bedenken gegen die der Einstellung zu Grunde gelegten Tatsachen ableiten ließen, nicht nachkommen.“

Der völligen Rehabilitierung des Niederösterreichers folgt nun jedoch die Verfolgung des Cold-Case-Teams. Verteidiger Albert Heiss zur Tiroler Tageszeitung: „Mein Mandant wurde hier ohne Beweise zum Mordverdächtigen – verbunden mit gravierendsten Konsequenzen. Gegen die Ermittler erstatten wir Anzeige wegen Amtsmissbrauchs und fahrlässiger Freiheitsentziehung!“ Dazu sind dem bekannten Strafverteidiger auch die von seinem Mandanten behaupteten Verhörmethoden ein Dorn im Auge. Heiss: „Diese werden, wie auch die sechswöchige Inhaftierung, Thema eines Amtshaftungsverfahrens sein. Noch im August werde ich alle nötigen Schritte setzen.“

Die Mordermittlungen im Fall Kammerer laufen übrigens trotzdem weiter.




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