Letztes Update am Do, 30.10.2014 06:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kitzbühel

Vermummte griffen Asylheim in Fieberbrunn an

Unbekannte Männer haben in der Nacht auf Mittwoch das Flüchtlingsheim am Bürglkopf in Fieberbrunn attackiert. Von den 120 Bewohnern wurde niemand verletzt.

Das Flüchtlingsheim auf 1400 Metern Höhe wurde vor über 20 Jahren eröffnet. Einen Angriff wie jenen von der Nacht auf Mittwoch hat es bisher noch nicht gegeben.

© Verena HoferDas Flüchtlingsheim auf 1400 Metern Höhe wurde vor über 20 Jahren eröffnet. Einen Angriff wie jenen von der Nacht auf Mittwoch hat es bisher noch nicht gegeben.



Fieberbrunn – Schüsse wurden abgefeuert, Feuerwerkskörper vor den Fenstern abgebrannt und „Ausländer-raus“-Rufe ertönten. Bei Dunkelheit. Abgeschieden vor einem Asylheim am Berg. Die Szenen, die sich in der Nacht auf Mittwoch beim Flüchtlingsheim am Bürglkopf in Fieberbrunn abgespielt haben, werden die 120 Bewohner nicht vergessen. Das Landesamt für Verfassungsschutz hat den Vorfall gestern Abend bestätigt und Ermittlungen aufgenommen.

Die Flüchtlinge stammen, seitdem im Sommer der Bund die Einrichtung vom Land übernommen hat, großteils aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Es sind vor allem junge Männer. Einer von ihnen hat die Angreifer um 0.30 Uhr gehört: „Ausländer raus“ haben die vier bis fünf jungen Männer, die in schwarzen Kapuzenjacken etwa 35 Meter vor dem Haus standen, skandiert. Sie sollen Feuerwerkskörper angezündet haben. Außerdem habe einer der Männer eine Pumpgun in der Hand gehalten. Es fielen Schüsse. Danach seien die Männer mit Autos, bei denen die Lichter abgedreht waren, davongefahren. Verletzt wurde bei dem Angriff niemand.

Polizei geht von geplantem Angriff aus

Da das Heim abgelegen auf 1400 Metern Höhe liegt, geht die Polizei davon aus, dass es sich um einen gezielten und im Voraus geplanten Angriff gehandelt hat. „Es wurden vorerst einmal Sicherheitsvorkehrungen für die Einwohner getroffen“, sagte Peter Öhm, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, gestern Abend.

Die Streife des Bezirkspolizeikommandos, die kurz nach der Alarmierung eintraf, fand abgebrannte pyrotechnischen Gegenstände vor dem Haus. Bei einer zweiten Suche am Vormittag wurde eine Waffe entdeckt, die einer Pumpgun ähnlich sieht, sich aber als Softgun herausgestellt hat. „Ob die Schüsse mit dieser Softgun abgegeben wurden, können wir noch nicht sagen“, erklärte Öhm. Am Flüchtlingsheim wurden nach dem Angriff kein Schaden und keine Beschmierungen festgestellt.

Das Heim auf 1400 Metern Höhe wurde 1993 eröffnet. Das zuvor als Ausbildungs- und Erholungszentrum für das Bundesheer genutzte Areal wurde 2002 generalsaniert.

Zuletzt gab es immer wieder Diskussionen um das abgelegene Flüchtlingsheim. Das Land wollte es heuer schließen und die damals 100 Asylwerber auf andere Quartiere in Tirol aufteilen. Der Bund übernahm die Einrichtungschließlich, um das Flüchtlingslager Traiskirchen zu entlasten. Seither leben vor allem junge Flüchtlinge, insbesondere aus Syrien, in dem Heim. (chris)