Letztes Update am Fr, 17.04.2015 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Vermisster Innsbrucker tot: Fahndung nach Verdächtigem

Zwei Kameraleute und der Sohn lösten das Rätsel um den Verbleib eines seit drei Wochen vermissten Innsbruckers. Bei Dreharbeiten fanden sie die Leiche des Mannes.

In diesem Schrebergarten am Arzler Framsweg wurde die Leiche des 59-jährigen Mannes gefunden.

© Zeitungsfoto.atIn diesem Schrebergarten am Arzler Framsweg wurde die Leiche des 59-jährigen Mannes gefunden.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Decke war nicht zu übersehen. Das satte Blau hob sich deutlich von den Braun- und Grüntönen im verwilderten Schrebergarten am Arzler Framsweg (Innsbruck) ab. ATV-Kameramann Andreas Felder fiel aber nicht nur die Decke auf. „Ich hab auch eine Kopfform gesehen und Haut und Blut.“

Eigentlich wollte das TV-Team am Donnerstagvormittag nur den Sohn und zwei Freundinnen des seit drei Wochen vermissten Innsbruckers Helmut Herburger interviewen. An jenem Ort, an dem der 59-Jährige zuletzt gesehen wurde – seinem Schrebergarten mit Dixi-Klo und Schwimmbecken.

Trotz des grausigen Fundes ließen die Kameraleute die Decke, wo sie war, und alarmierten die Polizei. Wenig später mussten die Beamten des Landeskriminalamtes bestätigen, was das TV-Team und Sohn Patrick Herburger ohnehin schon befürchtet hatten: Unter der Decke befand sich eine männliche Leiche. „Wir gehen davon aus, dass es sich beim Toten um den vermissten Helmut Herburger handelt“, bestätigte Walter Pupp, Chef des Landeskriminalamtes, noch vor der Obduktion.

Der Fall beschäftigt die Polizei seit 28. März. „Der Helmut, der immer sehr verlässlich war, ist am Tag zuvor plötzlich verschwunden, auch am Handy war er nicht mehr erreichbar,“ schildert eine Bekannte, die Herburgers Sohn zum Drehtermin im Schrebergarten begleitet hat.

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Die Polizei fahndet nach diesem Mann namens Agostino Heinrich Kessler.
Die Polizei fahndet nach diesem Mann namens Agostino Heinrich Kessler.
- LKA Tirol

Als am 30. März dann plötzlich der geliebte Border Collie des 59-Jährigen orientierungslos am Innufer bei Kirchbichl saß, wurde der Fall endgültig zum Krimi.

Von Anfang an spielte der 43-jährige Agostino Heinrich Kessler eine Schlüsselrolle. Zunächst noch als Zeuge – der zuletzt im Raum Bozen lebende Deutsche mit italienischer Staatsbürgerschaft war der Letzte, der mit dem Abgängigen gesehen wurde. Bei einem Fest in Herburgers Schrebergarten kurz vor dessen Verschwinden. „Der Helmut hat ihn auch in der Gartenhütte wohnen lassen, der weiße Opel Corsa mit dem italienischen Kennzeichen parkte eine Zeit lang davor“, erzählt ein Nachbar. Herburger und der Deutsche verstanden sich offenbar gut, mehrfach wurden die beiden in Innsbrucker Gastlokalen gesehen.

Kessler ist kein unbeschriebenes Blatt für die Polizei. Nicht nur wegen eines Autodiebstahls – den Opel Corsa hat der 43-Jährige vermutlich Mitte Februar in Bozen gestohlen. Der Mann soll auch bereits einige Zeit in einem italienischen Gefängnis verbracht haben.

- ZOOM-TIROL

Zeitgleich mit Herburger verschwand auch Kessler aus der Gartenlaube am Framsweg, aus Innsbruck und vermutlich auch aus Tirol. Mittlerweile wurde aus dem Zeugen ein Verdächtiger, gegen Kessler besteht seit einer Woche ein Haftbefehl.

Die Angehörigen des Opfers vermuten, dass der 43-Jährige seinen Gastgeber getötet und unter einem Laubhaufen im Garten versteckt hat. Dann verließ er fluchtartig Innsbruck in Richtung Deutschland, Herburgers Border Collie nahm er mit und setzte das Tier bei Kirchbichl aus, so die Theorie. „Um zu verhindern, dass der Hund den Helmut ausgräbt“, meint eine Bekannte. „Ich versteh’ aber auch nicht, warum die Polizei den Toten drei Wochen lang nicht entdeckt hat.“

Walter Pupp versteht’s ebenfalls nicht: „Zweimal haben wir den Garten mit unseren Spürhunden abgesucht. Ohne Ergebnis, obwohl wir Hunde einsetzten, die auf Leichen und Blut trainiert sind.“ Dass die Leiche jetzt zum Vorschein kam, sei wohl einem streunenden Hund oder Fuchs zu verdanken. „Zunächst war sie wohl unter einer dicken Schicht Laub und Erdreich versteckt.“