Letztes Update am Mi, 29.04.2015 09:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Todesstrafe

Indonesien wegen Hinrichtungen am Pranger, Australien empört

Indonesien richtet acht Drogenschmuggler hin, darunter zwei Australier. Canberra ruft den Botschafter zurück. Aber das Verhältnis darf nicht zerrüttet werden, sagt die australische Regierung.

Aktivisten in Indonesien protestierten vor dem Präsidentenpalast in Jakarta.

© REUTERS/Erik De CastroAktivisten in Indonesien protestierten vor dem Präsidentenpalast in Jakarta.



Jakarta, Sydney – Nach der weltweit umstrittenen Hinrichtung von acht Drogenschmugglern in Indonesien hat Australien als erstes Land diplomatische Konsequenzen angekündigt. Regierungschef Tony Abbott verurteilte die „grausamen und unnötigen Hinrichtungen“. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die Vollstreckung als „sinnlosen, tragischen und verheerenden vom Staat sanktionierten Mord“.

Indonesien, das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt, hatte sich gegen jede Einmischung in Justizangelegenheiten verwahrt. Ungeachtet internationaler Proteste waren die acht Männer am Mittwoch um kurz nach Mitternacht Ortszeit auf der Insel Nusa Kambangan vor ein Erschießungskommando gestellt worden.

Scharfschützen zielten auf vier Nigerianer, zwei Australier, einen Brasilianer und einen Indonesier. Eine Philippinerin (30) wurde in letzter Minute verschont. Eine andere Frau, die verdächtigt worden war, sie als Drogenkurierin missbraucht zu haben, stellte sich tags zuvor der Polizei auf den Philippinen.

Australien rief Botschafter aus Indonesien zurück

Canberra werde den Botschafter zu Konsultationen zurückrufen, sobald die sterblichen Überreste der beiden Australier Myuran Sukumaran (34) und Andrew Chan (31) auf dem Weg nach Australien seien, teilte Regierungschef Tony Abbott mit. „Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte er vor der Presse. Gleichzeitig betonte er aber, die Beziehungen zu Indonesien seien wichtig. „Wir müssen vorsichtig sein und sicherstellen, dass unser Ärger eine schlimme Situation nicht noch schlimmer macht.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Amnesty International warf Indonesien Missachtung aller Menschenrechtsstandards vor. Indonesien müsse umgehend ein Moratorium gegen die Todesstrafe einführen, verlangte Südostasiendirektor Rupert Abbott. „Wir stehen hinter den Familien derjenigen, die brutal hingerichtet wurden, durch einen sinnlosen, tragischen und verheerenden vom Staat sanktionierten Mord“, sagte Diana Sayed von Amnesty Australien.

Nach den wochenlangen Protesten gegen die Hinrichtung waren in der Nacht Dutzende Reporter und Kritiker der Todesstrafe in Cilacap nahe der Hinrichtungsinsel Nusa Kambangan zusammengekommen. Sie hielten Mahnwachen ab. Auch in Australien wachten Menschen die Nacht durch. Mancherorts wurden Kirchenglocken geläutet.

Seit Amtsantritt von Präsident Joko Widodo im Herbst 2014 hat Indonesien damit 14 Menschen wegen Drogenschmuggels hingerichtet. Nach Angaben der Behörde für Rauschgiftbekämpfung (BNN) sind noch rund vier Dutzend Menschen in Indonesien wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt, mehr als die Hälfte davon Ausländer. (APA/dpa/AFP)