Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.04.2016


Kufstein

Täglicher Stau sorgt für Einbußen bei Bergbahnen

In Söll und Scheffau kamen in der Saison um 15 Prozent weniger Tagesgäste. Fast alle Mautflüchtlinge sind ausländische Urlauber.

Auch auf der Autobahn (hier im Bild bei Angath) ist oft kein Weiterkommen mehr. Das hat auch Auswirkungen auf die ganze Region. Tagesgäste etwa kommen nicht mehr so oft zum Skifahren wie früher.

© Michael MaderAuch auf der Autobahn (hier im Bild bei Angath) ist oft kein Weiterkommen mehr. Das hat auch Auswirkungen auf die ganze Region. Tagesgäste etwa kommen nicht mehr so oft zum Skifahren wie früher.



Von Michael Mader

Kufstein – Die Zunahme des Autoverkehrs, die Mautflucht und zu guter Letzt die Grenzkontrollen zu Bayern sorgen nicht nur für kilometerlange Staus rund um Kufstein, sondern zeigen auch immer mehr negative Auswirken in verschiedensten Bereichen: So beklagen sich schon seit Monaten Kufsteiner, dass sie kaum mehr aus ihren Ausfahrten kommen. Personen wiederum, die in die Festungsstadt wollen, sagen, dass dies ein schier unmögliches Unterfangen sei. 45 Minuten bis in die Stadt seien keine Seltenheit. Laut Untersuchungen sind 95 Prozent der Mautflüchtlinge ausländische Urlaubsgäste.

Der Niederndorfer Bürgermeister Christian Ritzer berichtet davon, dass sich eine Analyse des Verkehrsstroms derzeit in Ausarbeitung befindet: „Ein vom Land beauftragtes Institut hat im Oktober und im Februar vor Ort unter anderem eine so genannte Verfolgungszählung gemacht. Dabei wird jedes Kfz-Kennzeichen mit Uhrzeit an unterschiedlichen Orten notiert.“ Zudem werde auf das Zahlenmaterial der Zählstellen zurückgegriffen.

Aber nicht nur in Kufstein und der Unteren Schranne wird der Verkehr immer mehr zum Problem. Die Dauerstaus haben auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. So bestätigt etwa der Geschäftsführer der Bergbahnen Söll, dass wesentlich weniger Tagesgäste zum Skifahren kommen würden: „In Söll macht das in der vergangenen Saison ein Minus von 15 Prozent aus. Zu uns und auch nach Scheffau kommen sehr viele Tagesgäste, das macht sich dann schon bemerkbar.“ Unter der Woche sei das nicht so stark spürbar, an Samstagen können aber schon bis zu 20 Prozent weniger Tagesgäste kommen. Eisenmann: „Das habe ich übrigens auch von den Hüttenwirten gehört. Etliche Urlauber hätten gesagt, dass sie nur noch ein oder zwei Mal zu uns kommen, weil sie einfach nicht mehr im Stau stehen wollen.“ Wohin sich der Blechwurm wälzt, ist leicht anhand der Zählstellen des Landes ersichtlich: Am verkehrsstärksten Tag im Februar 2016, am Samstag, den 13., wurden bei der Grenze 17.099 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden gezählt, bei der Innbrücke in Kufstein waren es 20.815 und in Schwoich auf der Eibergstraße sogar 21.663.

Auch der höchste stündliche Wert am 13. Februar ist interessant: Von 8 bis 9 Uhr passierten die Grenze 1378 Fahrzeuge und die Innbrücke 1623 Fahrzeuge. Von 9 bis 10 Uhr erreichte die Kolonne dann die Eibergstraße: 1888 Fahrzeuge in einer Stunde.