Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.12.2016


Verkehr

Werbung für Bahn, wo sie nicht fährt

Der geplante Schnellbus Reutte – Innsbruck wird in Zwischentoren nicht halten, kritisiert LA Zwölfer.

© Paschinger



Von Helmut Mittermayr

Lermoos – „Also, ein bisschen komisch ist das schon“, schüttelt die Lermooser Landtagsabgeordnete Maria Zwölfer den Kopf. Sie meint damit die Plakataktion des Landes Tirol entlang der Fernpassroute, die ein Umsteigen auf die Bahn schmackhaft machen soll. „Die Intention ist ja gut und recht. Nur dort, wo die Plakate aufgestellt sind, gibt es weit und breit keine Bahnlinie. Wie etwa im Gurgltal oder am Fernpass.“ Zwölfer erklärt, dass sie schon mehrmals von Urlaubsgästen angesprochen worden sei, wo denn die beworbene Bahn verlaufe.

Wer entlang der Fernpassroute wirklich die Bahn benutzen möchte, müsste nach TT-Recherche Umwege sowie lange Zeiten im Zug in Kauf nehmen. Beispiel Memmingen/Ötztal-Bahnhof – die klassische Anreiseroute über die deutsche Autobahn A7 und die Fernpassstrecke zum Skifahren im Ötztal. Mit dem Pkw errechnet das Navi eine Stunde, 34 Minuten als Fahrtzeit. Mit dem Zug über Bregenz oder auch Garmisch/Ibk werden von ÖBB-Routenplaner Scotty bei der großen Mehrheit der Zugverbindungen mehr als viereinhalb Stunden ausgeworfen – in eine Richtung.

Die Impuls-Vorsitzende Zwölfer hat kürzlich mehrere Anfragen an das Land Tirol gerichtet, in denen sie etwa wissen will, warum der angekündigte Schnellbus Reutte – Innsbruck (ebenso Teil der Fernpassstrategie) in Zwischentoren nicht halten wird. „Wer zum Beispiel in Lermoos wohnt, müsste theoretisch in die Gegenrichtung nach Reutte fahren, um dort den so genannten Schnellbus besteigen zu können“, kritisiert Zwölfer, die auch der Fahrzeit von 1 h 47 min keinen Glauben schenkt. Der Bus halte nur in Nassereith und Telfs, nirgends im Außerfern.

Ein weiterer Punkt der Fernpassstrategie ist die Schaffung eines sekundären Wegenetzes für Langsamfahrer entlang der Route. „Mit der Ertüchtigung des untergeordneten Straßen- und Wegenetzes ist eine durchgehende Befahrbarkeit geplant. Bezahlen sollen das alles die Gemeinden. Erste Schätzungen für die Strecke Biberwier – Nassereith weisen immerhin Kosten von 11,4 Millionen Euro auf.“ Maria Zwölfer fordert das Land Tirol auf, die Kosten nach dem Verursacherprinzip selbst zu tragen.