Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.01.2017


Bezirk Imst

„Scheiteltunnel Druckmacher für Tschirgant“

Bei der Fernpassstrategie durfte nicht über Tunnels geredet werden. Doch der Tarrenzer Dorfchef sieht weder Sinn noch Möglichkeit für eine Umfahrung.

© Paschinger



Von Alexander Paschinger

Tarrenz – Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert. Denn während man während der einjährigen Findungsphase der Fernpassstrategie das Thema Tunnel nicht in den Mund nehmen durfte, ist es jetzt wieder die Landespolitik, die zum einen über den Fernpass-Scheiteltunnel und in der Verlängerung vom Tschirganttunnel spricht. Immerhin gibt es eine Petition für die Tunnels, die von den Außerferner VP-Politikerinnen Sonj­a Ledl-Rossmann und Liesi Pfurtscheller initiiert wurde. Bis Donnerstagmittag hatten 917 Personen die Petition auf der Homepage des Parlaments unterzeichnet.

„Das Bedürfnis nach einer Lösung ist groß“, sagt der Tarrenzer Bürgermeister Rudolf Köll, „vor allem auf unserer Seite“, womit er die Imster Seite des Fernpasses meint. Denn der Großteil der Stimmen wurde zwischen Nassereith und Imst sowie am Mieminger Plateau gesammelt. Im verkehrsgeplagten Zwischentoren hält sich die Begeisterung für den Fernpass- und Tschirganttunnel in Grenzen. Wohl auch deshalb, weil der Scheiteltunnel zwar für eine Verflüssigung des Verkehrs am Fernpass beitragen, aber genauso die nächste Blockabfertigung bedeuten könnte.

Der Tschirganttunnel wird in Tarrenz und Obsteig als großer „Entlaster“ gesehen. Denn über den Holzleiten fahren die Lkw, die Pkw würde Tarrenz abbekommen. Und das sei angesichts von fünf bis sechs Urlaubsfahrten der Gäste ein ununterbrochener Verkehrsfluss. Für Köll wäre der Fernpassscheitel vor allem „ein Druckmacher für den Tschirganttunnel“. Gegen einen Gartnerwandtunnel, wie er von LA Maria Zwölfer von impuls Tirol gefordert wird, „habe ich nichts, aber finanziell ist der Scheiteltunnel realistischer“.

Für Tarrenz selbst, das mit den beinahe allwöchentlichen Staus zu kämpfen hat, sieht der Bürgermeister noch immer keine kleinere Lösung als den Tschirganttunnel: „Ich sehe keine Möglichkeit für eine Umfahrung.“ Außerdem hätten „Umfahrungen auch oft zu toten Gemeinden geführt“. Andererseits weiß er, dass für das Haiminger Tschirganttunnel-Portal ein anderer, weniger problematischer Standort gefunden werden müsse.

Wichtig ist dem Bürgermeister aber auch die Stimmung in Tarrenz selbst: „Nach 40 Jahren Hoffen auf den Tunnel gibt es ein, zwei Generationen, die schon richtig müde sind. Und die Jungen kämpfen noch nicht so, weil sie die Situation von klein auf nicht anders kennen.“