Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.01.2017


Bezirk Reutte

Die Pflacher Volksseele kochte

Brückensperre: Der Ortsteil Hüttenmühle ist für Monate vom Zentrum abgeschnitten. Ampeln mit langen Intervallen sollen die vielen Kinder in der Alten Straße schützen.

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© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Pflach – Am Montagvormittag lagen die Nerven in Pflach kurzzeitig blank – der erste Tag der Sperre der Reuttener Straße (L 69) samt Umleitung des Verkehrs durch die Alte Straße, wo sich Schule und Kindergarten befinden. Vor dem Schulgebäude: Chaos. Schulbusse kamen in der engen Straße nicht mehr vor und zurück. Dazwischen Eltern, die mit Autos oder zu Fuß ihre Kinder „anlieferten“. Und jede Menge gewöhnlicher „Transit“ von und nach Reutte. Bürgermeister Helmut Schönherr reagierte auf die vielseitigen Erregungen umgehend und glaubt nun, die Lösung gefunden zu haben. Ampeln regeln den Verkehr in der Alten Straße mit langen Intervallen derart, dass die Autoschlange jeweils nur noch in eine Richtung unterwegs sein kann. Fußgänger und vor allem Kinder seien nun weniger gefährdet. Zusätzlich wurden vom Gemeindebauhof in den angrenzenden Feldern Wege ausgefräst, um abseits der gehsteiglosen Straße zu Fuß Schule und Kindergarten erreichen zu können. Die Alte Straße wurde auch so weit als möglich an den Rändern vom Schnee befreit. Die Verkehrslage hatte sich schon am Dienstag etwas entspannt, viele benutzten die Umfahrung Reutte, um Wartezeiten zu umgehen.

Die Brücke über den Archbach auf der Reuttener Straße wird mehrere Monate lang saniert. Das bedeutet, dass auch die schmale Verbindung, die unter ihr durchführt, gesperrt bleibt und der Ortsteil Hüttenmühle abgetrennt ist. „Die Gemeinde empfiehlt Fahrgemeinschaften, um die Kinder über Reutte in Schule und Kindergarten in Pflach zu bringen. Wir schauen uns das jetzt genau an, auch ein angemieteter Kleinbus zum Schul­transport wäre denkbar“, sagt Schönherr. Fehler habe er, wenn überhaupt, nur einen gemacht – nämlich die Bevölkerung erst vor wenigen Tagen informiert zu haben. „Aber die Straßensperre war ja nicht wegdiskutierbar. Und hätte ich die Problematik schon bei Erhalt des Bescheides im Dezember veröffentlicht, wären die Debatten halt bis jetzt durchgegangen“, räumt Schönherr freimütig ein.

Baubezirks­amtschef Wolfgang Haas verspricht, alles zu unternehmen, um die Sanierung voranzutreiben: „Im April müssen wir mit dem Gerüst wieder aus dem Arch heraußen sein, bevor theoretisch Hochwasser kommen könnte.“ Ab dann sollte die L 69 auch wieder einspurig befahrbar sein. Lkw würden sowieso auf die Umfahrung gezwungen. „Und es nutzt halt alles nichts, die Brücke ist ein Sanierungsfall“, so Haas an die Adresse der Verärgerten.