Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.05.2017


Exklusiv

Radweg-Offensive: Millionen für Tiroler Radfahrer

Boom erkannt und auf den Zug aufgesprungen: Das Land Tirol, Touristiker und Gemeinden ziehen beim Ausbau der Radwege an einem Strang. Von der Offensive profitiert ganz besonders das Stubaital.

© TVB WipptalDas Wipptal bietet zahlreiche Mountainbikewege. Ein Radweg Steinach a. Br. - Brenner ist in Planung.



Von Denise Daum

Neustift i. St., Mutters, Stein­ach a. Br. – „Mir ist es eingefallen, während ich Fahrrad fuhr.“ Das soll Albert Einstein über die Entstehung der Relativitätstheorie gesagt haben. Vielleicht wird bald schon im Bezirk Innsbruck-Land eine weitere bahnbrechende Theorie geboren – auf einem der zahlreichen Radwege, die aktuell entstehen oder in Planung sind. Gemeinden und Touristiker haben den Boom erkannt, der um das Radfahren ausgebrochen ist:

So ist beispielsweise im Stubaital viel geplant. Der Tourismusverband arbeitet seit rund einem Jahr an einem Radweg von Klaus Äuele im hinteren Stubaital bis nach Innsbruck. Allein auf Stubaier Gebiet sollen das im Endausbau fast 50 Kilometer Weg und 600 Meter Höhenunterschied sein. „Ein wichtiger Punkt ist, dass wir mit den Radwegen die Bergbahnen im Stubaital anbinden“, erklärt TVB-Geschäftsführer Roland Volderauer. Die Umsetzung soll in Etappen passieren, begonnen wird von hinten nach vorne – also von der Doadleralm talauswärts. Der Weg soll fast überall drei Meter breit und asphaltiert sein. Die Gesamt­investition liegt laut TVB bei rund 4 Millionen Euro. Neben der Förderung durch das Land Tirol werden auch die Gemeinden einen Beitrag leisten müssen, erklärt Volderauer.

Gleichzeitig forcieren die Planungsverbände Stubai und Wipptal eine Radverbindung der beiden Täler, die oberhalb der Autobahn von Schönberg nach Mühlbachl führen soll. Das Projekt liegt bei einem Planungsbüro, Kosten könnten noch keine genannt werden, sagt Schönbergs Bürgermeister und Planungsverbandsobmann Hermann Steixner. Ergebnisse werden in rund zwei Monaten erwartet.

Bei der Verbindung Stubai – Innsbruck endet für den TVB Stubai die Zuständigkeit in Kreith. Ab dort übernimmt Bürgermeister Hansjörg Peer. Der verkündet: „Der Radweg Mutters – Natters – Innsbruck ist so gut wie auf Schiene.“ Aktuell verhandelt er mit den Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) um die Übernahme des unter Denkmalschutz stehenden Mutterer Viadukts sowie des Mutterer Tunnels, wo bis zum Abschluss des Neubaus der Mutterer Brücke die Trasse der Stubaitalbahn verläuft. Geht es nach Peer, könnte nach Stilllegung der Bahntrasse dort der Radweg verlaufen. Die Gespräche dazu würden gut verlaufen, versichern auch die IVB auf Nachfrage.

Für eine durchgehende Radverbindung von Natters bis Grinzens hat der Planungsverband Westliches Mittelgebirge eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben – hinter dem Projekt stehen alle betroffenen Gemeinden.

Noch fährt die Stubaitalbahn über das Mutter Viadukt. Wenn die im Bau befindliche neue Mutterer Brücke abgeschlossen ist, könnten die Radler das über 100 Jahre alte Viadukt nützen.
- Daum

Zurück ins Wipptal: Dort wird derzeit an einem großen Projekt gearbeitet, um einen durchgehenden Radweg von Ellbögen bis zum Brenner zu schaffen. Kostenschätzung laut Planungsverband Wipptal: 7 bis 8 Millionen Euro.

Alle diese Projekte wären nicht umsetzbar ohne das Land Tirol, das zwischen 50 und 80 Prozent der Baukosten übernimmt. Der Zuschlag für die Rad-Weltmeisterschaft 2018 löste eine großangelegte Radwegoffensive aus. „Wir unterstützen die Gemeinden und Tourismusverbände beim Ausbau des Radwegenetzes. Das zeigt Wirkung: 60 Kilometer Radwege wurden mit Unterstützung des Landes bislang saniert, neu gebaut oder befinden sich in Bau. Weitere 180 Kilometer sind in Planung und Bauvorbereitung“, erklärt der zuständige Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler.

Das Land leistet zudem bei Bedarf auch Hilfe bei der Planung und Ausführung. Damit sich am Ende der Kreis schließt, wird bei Förderanträgen geprüft, ob die Planungen aufeinander abgestimmt sind.

Die Gesamtinvestition für realisierte, in Bau befindliche und geplante Projekte liegt bei 24 Millionen Euro.