Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.06.2017


Bezirk Reutte

Umfahren wirkt: Ein Drittel weniger Stickstoffdioxid

Seit sieben Jahren leitet die Umfahrung Heiterwang den Verkehr am Dorf vorbei. In Heiterwang ist das spürbar, an der Urlauberstrecke nicht.

Auch am Pfingstwochenende rollte der dichte Urlauberverkehr entlang der Umfahrung und ihren beiden Tunnels an Heiterwang vorbei.

© PaschingerAuch am Pfingstwochenende rollte der dichte Urlauberverkehr entlang der Umfahrung und ihren beiden Tunnels an Heiterwang vorbei.



Von Alexander Paschinger

Heiterwang – „Am Anfang haben wir schon Angst gehabt“, schildert die Bürgermeisterin. Die hat man immer noch, sagt Beate Reichl. Aber während 2010 die Furcht davor herrschte, dass Heiterwang – ähnlich wie zuvor Nassereith – mit der Umfahrung zu Tode beruhigt würde, hat die Schuldirektorin heute Sorge um die Kinder, wenn die Umfahrung einmal zu ist. „Das ist der Horror. Dann muss ich ihnen schon ins Gewissen reden, dass sie beim Überqueren der ehemaligen Bundesstraße genau aufpassen müssen.“

Rund 30 Millionen Euro hatte das Land in die Umfahrung gesteckt. Drei Jahre lang wurde gebaut, am 27. Oktober 2010 ging die Umfahrung auf. Und wie es aussieht, wurden alle drei Ziele erfüllt: Befreiung des Dorfs vom Durchzugsverkehr, Erhöhung der Verkehrssicherheit im Dorf und auch die Entlastung der Bevölkerung von Lärm und Abgasen. „Früher“, schildert Reichl, „haben wir den Lärm von der Straße herauf zu uns gehört.“ Inzwischen lebt sie gerade einmal 150 Meter Luftlinie vom Tunnelportal der Umfahrung entfernt, „und jetzt höre ich nur bei seltenen Föhnlagen den Verkehr – dann aber ordentlich“.

Das Fehlen des Verkehrs sorgt an der Luftmessstelle für beste Werte.
Das Fehlen des Verkehrs sorgt an der Luftmessstelle für beste Werte.
- Paschinger

Was die Schadstoffe betrifft, so ist die Situation in Heiterwang bestens dokumentiert. 2003 wurde dort eine Luftgütemessstelle installiert. „Wir betreiben sie aber seit der Umfahrung trotzdem weiter“, erklärt Walter Egger vom Amt der Landesregierung, „weil sie in unserem Messnetz den ländlichen Raum repräsentiert.“ Tatsächlich sind die Effekte der örtlichen Verkehrsverlagerung messbar: „2009 registrierten wir einen Jahresmittelwert von 29 µg/m³ bei Stickstoffdioxid (Grenzwert 30 µg, Anm.), 2011 waren es nur noch 20. Und der allgemeine Trend setzte sich fort – 2016 maßen wir nur noch15 µg.“ Ähnlich verhielt es sich beim Feinstaub. Doch während es bei Stickstoffdioxid gut ein Drittel waren, die auf den Verkehr zurückzuführen sind, waren es bei Feinstaub zehn Prozent: 2009 wurden 16 µg gemessen, 2011 nur noch 15 und 2016 lag man bei 10 µg/m³. „Heiterwang ist für uns ein sehr gutes Beispiel, was durch Verkehrsverlagerung erreicht werden kann“, ergänzt Christian Schaninger, Chef der zuständigen Abteilung Waldschutz im Land.

Auf der Fernpassstrecke selbst stiegen die Verkehrszahlen freilich weiter. „Was mir persönlich auffällt“, bedauert die Bürgermeisterin, „das sind die gefühlt mehr und schwereren Unfälle als früher.“ Das in Zahlen zu gießen sei schwierig, meint dazu der Außerferner Polizeikommandant Egon Lorenz. „Aber, natürlich gibt es auf der Umfahrung höhere Geschwindigkeiten“, die genauso zu Unfällen führen wie „viele übermüdete Fahrer“ an der Urlaubertransitstrecke.

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Heiterwang musste sich seit 2010 neu erfinden. Mittlerweile hätten sich die an der Straße gelegenen Gasthäuser wieder gefangen, erklärt Reichl. Vor allem als Wohngegend habe die nördlichste Gemeinde des Zwischentoren aber dazugewonnen.