Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 15.10.2017


Verkehr

Radfahrer kämpfen laut für mehr Sicherheit

Ein Innsbrucker will in einer Aktion auf Gefahrenquellen entlang von Radwegen aufmerksam machen. Damit ist er nicht alleine.

© Dipl. Ing. Gerald GaiggNach dem Unfall wurde die Querung u. a. durch Ausholzung und Bodenmarkierungen entschärft.Foto: Gaigg



Von Sabine Strobl

Innsbruck – In Berlin werden 20 % der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Es gibt auch eine Bewegung, die ein Mobilitätsgesetz einfordert, das den Radlern auch 20 % der Verkehrsfläche zuweisen soll. Im Frühjahr ging nach drei tödlichen Unfällen von Profisportlern ein Aufruf für mehr Sicherheit durch die sozialen Medien. Profis wie Amateure kritisierten hohe Geschwindigkeiten auf Straßen und brenzlige Situationen auf Radwegen. Am langen Oktoberwochenende wird jetzt der Innsbrucker Ziviltechniker und Hobbyradfahrer Gerald Gaigg einen Teil des Donauradwegs abfahren und Gefahrenquellen dokumentieren. Im Frühjahr soll eine „Befahrungsaktion“ einer größeren Tiroler Gruppe folgen.

Vergangenes Jahr verunglückte dort sein damals 16-jähriger Sohn bei einer Straßenquerung nahe Wiens tödlich. Der Radfahrer wurde von einem Pkw erfasst. Seitdem kämpft der Familienvater für mehr Sicherheit auf Radwegen. „Ich kann nicht tolerieren, dass noch eine Familie zu Schaden kommt. Ich fühle mich verantwortlich und möchte meiner Hinweispflicht als Bürger nachkommen.“

Auch durch seinen Einsatz wurde die gefährliche Querung mit neuer Beschilderung und Bodenmarkierungen entschärft. „Es könnte mehr passieren, etwa, dass Radfahrer und Autofahrer füreinander sichtbarer werden.“ Wie die Radbeauftragte der Niederösterreich-Werbung, Sylvia Gleitsmann, zur TT sagt, findet „ständig eine Radrouten-Optimierung“ statt.

Gaiggs genereller Appell: Bei der Planung von neuen Wegen müsse man mehr die Perspektive des Fußgängers und Radfahrers einnehmen. Radwege zwischen Straßennetz und Siedlungen hineinzuquetschen, reiche nicht aus.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) macht regelmäßig auf den Nachholbedarf in der Rad-Infrastruktur aufmerksam. Zu den Vorschlägen zählen sichere Radstrecken zwischen Siedlungen, aber auch kreuzungsfreie Rad-Highways in Ballungsräumen. Laut Sprecher Christian Gratzer ist es wichtig, dass Radfahrer, die Gefahrenstellen entdecken, dies in der Gemeinde melden. Erst am Freitag forderte der Club eine „Radverkehrsmilliarde für den Ausbau der Rad-Infrastruktur“.

Die Forderung nach mehr Geld für den Radverkehr kommt nicht von ungefähr. Die externen Kosten des Autoverkehrs (Unfallkosten, Umweltbeeinträchtigungen etc.) zahlt die Allgemeinheit. Sie betragen nach einer Studie der TU Dresden jährlich 2300 Euro pro Auto (Österreich). Während ein Auto pro Jahr mit diesem Betrag „gefördert“ wird, geben viele Gemeinden für den Radverkehr nur einige Euro pro Jahr und Einwohner aus, nennt Mobilitätsforscher Michael Meschik (BOKU) einen Vergleich.

Tirols Mobilitäts- und Klimaschutzbeauftragter Ekkehard Allinger-Csollich forciert die Pläne für eine einheitliche Rad-Beschilderung in ganz Österreich. Auch die Idee einer heimischen Zertifizierung von Radwegen könnte Verbesserungen bringen.




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