Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.10.2017


Bezirk Schwaz

Autobahn-Lärm: Vomper Bürger schlagen Alarm

Eine neue Bürgerinitiative fordert umgehenden Lärmschutz an der A12 von der Asfinag, da Grenzwerte bis zu 260 % überschritten werden.

© DählingDie Vomper Gerhard Steinlechner, Reinhard Schwitzer, Fritz Gurgiser, Martina Wolf und Helmut Gspan (v. l.) fordern Lärmschutz von der Asfinag. Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Vomp – Es ist dieses permanente monotone Rauschen im Ohr. Ein Dauergeräusch, an das man sich vordergründig im Laufe der Jahre so gewöhnt, dass tatsächliche Stille verwirrt. Ein Lärm, der jedoch zu höherem Blutdruck, Schlafstörungen und Stress führt. Die Anrainer der Vomper Ortsteile Dornach und Bachtal haben ihn satt, diesen Lärm von der A12. Mit dem Vomper Transitgegner Fritz Gurgiser haben sie die neue Transitforumsgruppe „Xund’s Vomp“ gegründet.

Gestern ließen sie bei einer Pressekonferenz mit Ergebnissen von Lärmmessungen aufhorchen. „Wir haben im Mai und Juni rund 500 Lärmpegelmessungen am Tag und in der Nacht durchgeführt“, erklärt Fritz Gurgiser. „Die Grenzwerte von 60 dB am Tag sind um bis zu 160 Prozent und jene von 50 dB nachts um bis zu 260 Prozent überschritten worden“, zeigt er auf. Vor Jahren forderten die Betroffenen bereits von der Asfinag eine Lärmschutzwand. Doch es sei nur geredet worden und nie was passiert. Das bestätigt der Vomper Bürgermeister Karl-Josef Schubert. „Die Lärmgrenzwerte wurden schon vor zehn Jahren überschritten. Damals hieß es, dass Schutzwände die Messergebnisse der Luftgütemessestelle verfälschen könnten“, sagt er. Die Gemeinde stehe jedenfalls hinter den Forderungen der Bürgerinitiative.

Und diese fordert, dass bei der A12 endlich das „Verursacherprinzip“ greift und damit die Asfinag für die gesamten Lärmschutzkosten aufzukommen hat. Dass die Gemeinden mitzahlen sollen, sei nicht akzeptabel. Die AK Tirol habe bereits im Mai per Beschluss das Verkehrsministerium und das Land Tirol aufgefordert, sämtlichen Lärmschutz aus Einnahmen wie Maut und Vignette zu finanzieren. „Die Asfinag nimmt am Brenner allein durch den Lkw-Transit 200 Millionen Euro ein“, argumentiert Gurgiser.

„Wir fordern unser Grundrecht auf Schutz und Erhalt unserer Gesundheit ein“, sagt Anrainerin Martina Wolf. Der Apotheker Reinhard Schwitzer schildert, man könne sich in seinem Garten wegen des Lärms nicht mehr aufhalten. Jeder Betrieb müsse sich an Gesetze bezüglich Lärmschutz halten, nur die Asfinag nicht, ergänzt Anrainer Gerhard Steinlechner. Als „Horror“ und „unzumutbar“ beschreibt Anwohner Helmut Gspan den Lärm. Ohne (geschlossene) Lärmschutzfenster ginge es nicht mehr, ergänzt ein Nachbar. Natürlich sei auch die Luftverschmutzung ein Thema. „Aber das Lärmproblem könnte man sofort technisch lösen“, sagt Gurgiser, der der Asfinag hier ein „Schneckentempo“ vorwirft.

Ärztliche Bestätigungen, dass rein der Autobahnlärm Auslöser für bestimmte Krankheiten ist, gebe es leider nicht. Gurgiser: „Aber das sagt einem schon der Hausverstand.“ Dass der Verkehr mehr Rechte habe als der Mensch, wolle man sich nicht länger gefallen lassen. Das Problem betreffe auch Orte wie Ampass, Kufstein und Zirl. Auch hier seien Initiativen geplant.

Laut Asfinag-Pressesprecher Christoph Pollinger gibt es gemäß diversen Untersuchungen nur bei einzelnen Gebäuden in Vomp geringfügige Grenzwertüberschreitungen. Gemäß österreichweit einheitlicher Bestimmungen sei der Bau einer Lärmschutzwand im Bereich Dornach zudem nicht möglich. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen: Im November wird es ein Gespräch zwischen Gemeinde, Anrainern und der Asfinag geben.