Letztes Update am Mi, 06.12.2017 22:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Promillelenker

Vom Punschstand in den Graben: Polizei warnt vor Alkohol am Steuer

Allein im heurigen Jahr gab es in Tirol 200 Alkohol-Unfälle mit Verletzten. Laut ÖAMTC-Umfrage setzen sich drei Viertel der Befragten nach dem Alkoholkonsum ans Steuer. Die Polizei appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Verkehrsteilnehmer und wartet in der Vorweihnachtszeit mit verstärkten Alkoholkontrollen auf Tirols Straßen auf.

© MURAUERPunsch und Glühwein sind besonders heimtückisch: Durch die Süßte schmeckt man den Alkohol nicht, man trinkt oft mehr, als man verträgt.



Innsbruck – Punsch und Glühwein verführen uns auf den Christkindlmärkten und in den Tiroler Wirtshäusern folgt eine Weihnachtsfeier auf die andere. Gerade in der Vorweihnachtszeit setzt die Polizei wieder verstärkt auf Alkoholkontrollen. Denn: Dass sich Alkoholkonsum und Autolenken nicht vertragen, hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen: „Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren zeigt, dass sich nach dem Besuch solcher Märkte, Feste und Feiern immer wieder auch alkoholisierte Personen ans Steuer ihres Fahrzeuges setzen und dann nicht nur bei Kontrollen auffallen, sondern zum Teil auch schwere Unfälle verursachen“, heißt es in einer Aussendung der Tiroler Polizei. Im heurigen Jahr gab es im Bundesland bis Ende September bereits 200 Alkoholunfälle mit Verletzten.

Dass der fehlende Respekt vor dem Fahren unter Alkoholeinfluss ein bundesweites Problem darstellt, unterstreicht auch eine Umfrage des ÖAMTC unter seinen Mitgliedern: Drei Viertel der insgesamt 1140 Befragten gaben an, schon einmal nach dem Genuss von Alkohol ein Fahrzeug gelenkt zu haben. Die häufigsten Begründungen dafür: „Es gab keine Alternative für den Heimweg“, es war nur eine „kurze Strecke“ zu fahren oder man fühlte sich noch fahrtauglich. „Die Einschätzung der eigenen Fahrfähigkeit kann jedoch schon unter der gesetzlichen Promillegrenze falsch und man selbst fahruntauglich sein“, warnt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

Süße Versuchung „bleibt“ auch am Morgen danach

Punsch, Glühwein und Co. haben es in sich: Durch den hohen Zuckergehalt schmeckt man den Alkohol kaum. Die Gefahr, dass man mehr trinkt, als man verträgt, ist groß. Denn die Beeinträchtigungen sind nur verzögert spürbar. „Die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit wird durch Alkohol verfälscht: Man traut sich mehr zu, als man tatsächlich noch leisten kann“, erklärt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

In alkoholisiertem Zustand sinkt die Aufmerksamkeit rapide, die Reaktionszeit verlängert sich drastisch. Unachtsamkeit, nicht angepasste Geschwindigkeit und Missachtung von Verkehrsregeln gelten als die wesentlichen Ursachen bei schweren und tödlichen Verkehrsunfällen.

Bereits ab einem Promillewert von 1,0 steigert sich das Unfallrisiko auf das 7-fache, bei 1,2 Promille auf das 12-fache und bei 1,8 Promille auf das 30-fache. Außerdem vergessen viele Lenker, dass nach übermäßigem Alkoholgenuss am Abend bzw. in der Nacht, dieser nicht nach wenigen Stunden bereits abgebaut ist. Der Körper baut in einer Stunde lediglich 0,1 Promille ab. Viele sind daher verwundert, wenn sie am Morgen oder Vormittag danach mit entsprechenden Promillewerten kontrolliert werden.

Adventverkehr ohne Alkohol

Polizei und ÖAMTC appellieren daher an das Verantwortungsbewusstsein der Tiroler: Nach dem Umtrunk sollte man sich ein Taxi rufen oder sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Heimweg begeben. Auch die Entscheidung, bei antialkoholischen Getränken zu bleiben, sei heutzutage weitgehend akzeptiert. Acht von zehn der vom ÖAMTC Befragten gaben an, dass die Entscheidung, keinen Alkohol zu trinken, weitestgehend toleriert wird und sich dieses Verständnis in den vergangenen Jahren verfestigt hat. „Man wird heute viel seltener nach den Gründen des Alkoholverzichts gefragt und auch Überredungsversuche und Veralberungen nehmen ab“, sagt die ÖAMTC-Expertin.

„Bitte blasen“: Schwerpunktkontrollen durch Tiroler Polizei

Gerade vor Weihnachten kündigt die Exekutive vermehrte Alkoholkontrollen auf Tirols Straßen an. Ziel sei es, Fahrten in alkoholisiertem Zustand und folglich auch Alkoholunfälle möglichst zu verhindern und verantwortungsbewusste Verkehrsteilnehmer vor alkoholisierten Fahrzeuglenkern zu schützen.

Wer sich in alkoholisiertem Zustand ans Steuer setzt, riskiert nicht nur den Verlust des Führerscheins und hohe Geldstrafen, sondern kann mit strafrechtlichen Konsequenten bis hin zur Freiheitsstrafe konfrontiert werden.

Darüber hinaus kann es auch zum Verlust des Arbeitsplatzes und somit zur Existenzbedrohung kommen. Als Unfallverursacher müsse man außerdem mit Schadensersatzforderungen, Schmerzensgeld und Regressforderungen von Versicherungen rechnen. Nicht zuletzt könne es dazu führen, für den Tod eines Unbeteiligten und dem Leid für Familien verantwortlich zu sein, betont die Polizei.

Österreichweit starben heuer 23 Menschen bei Verkehrsunfällen, bei denen Alkohol im Spiel war.

Bis Ende Oktober wurden in Tirol heuer 149.395 Fahrzeuglenker auf Alkohol getestet. 2779 von ihnen wiesen einen zu hohen Alkoholwert auf oder standen unter Drogeneinfluss. 1811 Lenker hatten mehr als 0,8 Promille intus, 933 wiesen Werte zwischen 0,5 und 0,8 Promille auf. 35 Lenker wurden wegen Beeinträchtigung durch Drogen zur Anzeige gebracht. (TT.com)